Mit Immobilienspekulationen will sich das Institut Pasteur in Paris vor dem finanziellen Kollaps retten.

Das Institut Pasteur, Frankreichs verdienstvollste medizinische Forschungsanstalt, eine Privatinstitution, ist von einer lebensgefährlichen Krankheit befallen: Ihr droht die Pleite. Gegen Tollwut, Pest, Malaria, Diphterie und Kinderlähmung entwickelten Louis Pasteur und seine Schüler erfolgreiche Impfstoffe. Zur Abwendung des finanziellen Kollapses erfanden sie jetzt als neue Medizin eine großangelegte Immobilienspekulation.

Schon seit Jahren kämpft Institutschef Jacques Monod, Nobelpreisträger für Medizin im Jahre 1965, mit finanziellen Schwierigkeiten. Erst im vergangenen Jahr rettete eine große Spendenaktion das 1888 gegründete Institut vor der Zahlungsunfähigkeit. Dabei wacht das Institut fast eigensinnig darüber, nicht in die Abhängigkeit des Staates zu geraten.

Die Erlöse aus dem Verkauf von Seren und Impfstoffe reichen nicht mehr aus, um in den nächsten Jahren unentbehrliche Forschungs- und Produktionsanlagen zu installieren. So entsannen sich Pasteurs Jünger eines Erbes, das ihnen ihr Meister hinterlassen hatte: Das Institut ist Eigentümer eines zwölf Hektar großen Geländes in Gardies an der westlichen Peripherie von Paris. Und das Grundstück, auf dem das Pasteur-Institut gegenwärtig untergebracht ist, liegt mitten in Paris.

Den Wert des Grundstücks bezifferten Experten auf 230 Millionen Franc (1 Franc = 0,55 Mark). Wenn die Forscher dieses Grundstück räumen und an Immobilienspekulanten verkaufen, könnten sie zunächst ein größeres und moderneres Institut in Gardies bauen. Nach detaillierten Kalkulationen würden über 70 Millionen Franc übrig bleiben, genug um das gegenwärtige Defizit von 55 Millionen zu decken und ein kleines Polster für die nächsten Jahre anzulegen.

Der Dreh mit der Immobilienspekulation ist zwar originell, aber auch etwas anrüchig. Denn das Grundstück in Gardies liegt in einem großen Park und darf grundsätzlich nicht bebaut werden. Die Regierung müßte eine Reihe von Ausnahmegenehmigungen erteilen, die wiederum andere Bauherren begierig machen könnten.

Institutschef Monod bekommt auch zunehmend die Opposition seiner gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter zu spüren. Sie fordern, daß ihr berühmtes Haus vom Staat übernommen wird. Ohnehin werden 40 Prozent der Forschungsaufträge aus öffentlichen Kassen finanziert. Und ein sicheres Gehalt vom Staat ist ihnen lieber als die alljährliche Betteltour ihres Direktors. smi