Gläubige Physiker testeten den Magier aus dem Heiligen Land

Von Thomas v. Randow

Uri Geller, der gabelbiegende Showman und Schlagertexter, der Fernsehzuschauer in fast allen westlichen Ländern mit seinen Kunststücken verunsichert hat, ist wieder im Gespräch. Zwei renommierte Wissenschaftszeitschriften haben sich seiner angenommen. „Nature“ (18. Oktober) veröffentlichte den Bericht zweier Physiker und Freizeit-Parapsychologen über eine von ihnen an Uri ausgeführte Untersuchung, und „New Scientist“ widmete dem jungen Israeli einen 15seitigen, sehr kritischen Artikel. Uri Geller ist damit ein Gegenstand der Wissenschaft geworden – freilich ein höchst umstrittener.

Die beiden „Nature“-Berichterstatter, Dr. Hal Puthoff und Russell Targ, sind Spezialisten auf dem Gebiet der Laser-Forschung am Stanford Research Institute im kalifornischen Menlo Park. Die Auftragslage der vornehmlich für das Pentagon arbeitenden Forschungsstätte ist rückläufig. Darum sieht es die Institutsleitung nicht ungern, wenn ihre unterbeschäftigten Wissenschaftler ein wenig Forschung nebenher betreiben, vorausgesetzt, sie müssen dafür nicht vom Institut bezahlt werden. Welchen Gebieten sich die Mitarbeiter dabei widmen, ist dem Direktorium gleichgültig. „Mit dieser Freiheit“, so die Philosophie des Unternehmens, „halten wir unsere hochspezialisierten Experten bei der Stange.“

Dankbar quittieren Puthoff und Targ diese Großzügigkeit ihres Arbeitgebers mit lobenden Worten. Denn die Baisse auf ihrem wissenschaftlichen Fachgebiet kommt ihnen gerade recht, ihrem privaten Hobby zu frönen, der Parapsychologie. Reiche Kalifornier, die wie Puthoff und Targ nichts sehnlicher wünschen, als daß endlich die Skeptiker dieser Welt von Spuk und Spökenkiekerei überzeugt würden, finanzieren großzügig die Psi-Experimente der beiden fremdarbeitenden Laser-Forscher. Unterstützt werden sie auch von dem okkultgläubigen Ex-Astronauten Edgar Mitchell, der – ebenfalls in Menlo Park – ein privates Forschungsinstitut für Parapsychologie betreibt.

Für Puthoff und Targ schlug die große Psi-Stunde, als sich bei ihnen Uri Geller meldete, der ohne Scheu erklärte, er besitze paranormale Kräfte, die ihm von einer außerirdischen Intelligenz verliehen worden seien. Russell Targ fand solches nicht absonderlich. Gelassen antwortete er: „Was Sie uns da erzählen, stimmt sehr gut mit dem überein, woran Hal (Puthoff) und ich glauben, was wir aber noch nicht beweisen können.“ Bald wurden sich die so sehr im Glauben harmonierenden Männer einig, einen wissenschaftlichen Test zu veranstalten. Das war im November 1972.

Tonband aus dem All