Von Wolfgang Hoffmann

Erstmals seit Bestehen braucht der Schweizer Arzneimittelkonzern Hoffmann La Roche kurierende Medizin. Für den Multi aus dem Alpenland ist das, was er schlucken will, eine bittere Pille; denn das sonst so publizitätsscheue Unternehmen aus Basel muß der Öffentlichkeit Rede und Antwort stehen. Der Grund für den Abschied von der strengen Diskretion: Wegen Verdachts. des Preismißbrauchs geriet der Pillen-Konzern in Verruf.

Die Briten waren die ersten, die den multinationalen Arzneimittelkonzern – mit einem Weltumsatz von 4,6 Milliarden Franken und fast 35 000 Beschäftigten einer der größten Pharmakonzerne der Welt – gezwungen haben, zwei Medikamente von Weltruf billiger zu verkaufen. Die Beruhigungspillen Valium und Librium gibt es in England derzeit rund 68 Prozent billiger als in deutschen Apotheken. Auch in anderen Ländern sind die Glücksbringer Valium und Librium billiger auf dem Markt: in Belgien bis zu 28 Prozent, in Frankreich bis zu 31 und in Italien bis zu 33 Prozent.

Seit dem Frühjahr vergangenen Jahres kümmern sich auch die deutschen Wettbewerbsbehörden um die Preispraktiken von La Roche und ihren Tochtergesellschaften. In diesen Tagen beschloß das Kartellamt gar, die Preise für Valium und Librium müßten zu Beginn des kommenden Jahres um durchschnittlich 40 Prozent gesenkt werden.

Nachdem der Konzern mit seinem Preisgebahren in grelles Rampenlicht der Kritik gerückt ist, entschlossen sich die informationsscheuen Schweizer, das Dunkel zu lichten. Lautete das Firmenmotto bisher "wenn wir gute Produkte machen, dann ist das unsere Werbung, unser Image", sollen von nun an auch Publizität und Public Relations im Dienst der Imagepflicht stehen. So will künftig die Frankfurter PR-Agentur "Kauders International" Wirtschaftsjournalisten Schub auf Schub durch die Fabrikationsanlagen. von La Roche schleusen.

Denn für die Schweizer steht viel auf dem Spiel. Setzen sich die deutschen Behörden durch – die endgültige Entscheidung des Berliner Kammergerichts steht noch aus –, könnte eine Lawine die früher so heile Roche-Welt ins Wanken bringen. Allein für die deutsche Roche-Tochter in Grenzach, unweit von Basel, würde die Kartellamtsentscheidung einen Umsatzrückgang um fast 30 Millionen Mark bedeuten. Denn für Valium und Librium nimmt die Grenzacher Tochter jährlich zwischen 70 und 80 Millionen Mark ein (bei einem Gesamtumsatz von rund 450 Millionen Mark).

Abgesehen von diesen globalen Umsatzziffern hält das Unternehmen detaillierte Zahlen unter Verschluß. Zwar kritisiert der Vizepräsident der Baseler Mutter, Alfred Hartmann, daß Unternehmenszahlen nicht richtig gewichtet und ausgewertet würden. Andererseits schweigt er sich selbst aus, wenn es darauf ankommt, den Preiskrieg zwischen dem Konzern und dem Kartellamt richtig zu bewerten.