Bei weniger strittigen Themen sind die Verwaltungsräte des Konzerns – überdies bemüht, Transparenz zu zeigen. Niemand etwa gibt sich Mühe, den Gewinn als wichtigstes Unternehmensziel zu beschönigen. Die Öffentlichkeit kann und soll wissen, "daß wir unseren Ausbau selbst finanzieren wollen und nicht über Dritte."

Das Unternehmen ist weiter auf Expansion ausgerichtet. Schwerpunkte bleiben die Arzneimittelspezialitäten und die Vitamin-Produktion. Auf diesem Gebiet ist Roche führend. 70 Prozent der Weltproduktion von Vitamin C stammt aus den Laboratorien von Roche. Die Konzernleitung verkündet die Absicht, den medizinischen Apparatebau, der bisher überwiegend durch Lizenzvergabe an Dritt-Firmen erfolgte, mehr ins eigene Unternehmen zu verlagern. Ausgebaut werden soll der Bereich der Agrochemie, "um die Fehler der Natur zu korrigieren".

Großes Gewicht wird weiterhin den Arzneimitteln (60 Prozent des Umsatzes) und speziell den Psychopharmaka gewidmet. Denn das einmal gewonnene Know-how auf diesem Gebiet "verpflichtet uns, dabei zu bleiben", erklärt Professor Boguth. Neben Know-how-Verpflichtungen dürften vor allem zu erwartende Umsatzerlöse stehen. Denn das Geschäft, mit den konfliktlösenden Drogen zeigt steigende Tendenz.

Für Boguth gibt es derzeit nur eine Lösung, Konflikte zu lösen: die Pille. Er weiß, daß ein "Ausleben der Aggressionen nicht mehr möglich ist". Daß die wahren Ursachen gesellschaftlicher Konflikte auch ausgeräumt werden könnten, hält Boguth für eine Utopie. Ihm ist zunächst wichtig, den Menschen vor potentiellen Aggressionen abzuschirmen. Und La Roche tut alles, den "Schirm zu schaffen, unter dem Wohlbefinden möglich wird". Valium ist eine "harmlose Möglichkeit, dem Menschen innere Ruhe zu geben".

Im Grunde fehlt La Roche nur noch die alle beruhigende PR-Pille. Derzeit ist das, was La Roche als Öffentlichkeitsarbeit und Information anbietet, eher unbeholfen. Dies wird auch deutlich, wenn die Manager über die Motive ihrer Image-Offensive sprechen. So soll offensichtlich nicht etwa das ins Gerede geratene Unternehmen reingewaschen werden, sondern die Umwelt, in der es lebt. Zwar wird anerkannt, daß man die Aktionäre natürlich informieren müsse, wenn schon den Behörden nicht mehr auszuweichen sei; was die Aktionäre erfahren, kann dann aber auch die Öffentlichkeit wissen. Vizepräsident Hartmann gibt auch zu, daß "sich einiges geändert hat", daß die Transparenz "in der Luft gelegen hat" und daß "die soziale Verantwortung des Unternehmens mehr im Vordergrund steht". Er sagt aber nicht, daß das seine Berechtigung hat, er sagt nur: "Das mag eine gewisse Berechtigung haben."