Bei nach wie vor ungelösten Kernfragen haben die Bundesrepublik und Polen einen weiteren Schritt getan, um wenigstens ihre Zusammenarbeit zu verbessern und zu vertiefen. Am vergangenen Freitag unterzeichneten Außenminister Genscher und der polnische Außenhandelsminister Olszewski im Auswärtigen Amt ein Zehnjahresabkommen über die wirtschaftliche, industrielle und technische Kooperation. Der neue Vertrag bezieht auch Westberlin ein.

Die Zusammenarbeit mit polnischen Unternehmen hat nach Genschers Worten schon heute "ein Ausmaß wie kaum mit einem anderen europäischen Land". Das Abkommen schafft den rechtlichen Rahmen für diese engen privatwirtschaftlichen Bindungen und löst den auslaufenden Handelsvertrag von 1970 ab.

Zum gleichen Zeitpunkt kam eine Bundestagsdelegation unter Leitung von Annemarie Renger von einem fünftägigen Polenbesuch zurück. In allen Gesprächen war deutlich geworden, daß Warschau die Frage der Familienzusammenführung mit finanziellen Entschädigungen für polnische KZ-Opfer verbindet. Außenminister Olszowski gab zu verstehen, daß erst nach der Regelung der Entschädigungsfrage mehr und mehr Ausreisegenehmigungen erteilt würden – "und sogar über das vereinbarte Maß hinaus".