Mit Streiks protestieren Angestellte der britischen Metallarbeitergewerkschaft gegen ihren strengen Arbeitgeber

Mit häuslichen Schwierigkeiten werden die Führer von Großbritanniens zweitgrößter Gewerkschaft konfrontiert, während sie neue Lohnverhandlungen mit den Arbeitgebern in der Metallindustrie vorbereiten. Über 200 meist weibliche Angestellte der Metallarbeitergewerkschaft Amalgamated Union of Engineering Workers traten in einen Streik, um ihrer Forderung nach Erhöhung der Londoner Ortszulage von etwa 300 auf rund 2400 Mark pro Jahr Nachdruck zu verleihen.

Die Bürokräfte verließen Telefonzentralen und Vorzimmer, Registratur und Buchhaltung. Ein Teil von ihnen zog mit Schildern vor dem Hauptquartier ihres Arbeitgebers im Londoner Vorort Peckham auf.

Die Streikposten erzählten Reportern von den unzureichenden sozialen Einrichtungen und dem strengen Regiment des Gewerkschaftsführers Hugh Scanlon. In ihren Darstellungen erscheint die Arbeitnehmerorganisation als schlechter Arbeitgeber, der den Angestellten kaum die Zeit für Teepausen gönnt und der sie schon bei geringfügigen Verstößen gegen die Arbeitszeitverordnung maßregelt.

Die Angestellten, die der gemäßigten Büroarbeitergewerkschaft, der Association of Professional, Executive, Clerical and Computer Staff, angehören, demonstrierten mit ihrer Aktion, daß sie die Methoden ihres Arbeitgebers genau beobachtet haben. Der Scanlon-Verband ist nämlich eine der militantesten Gewerkschaften Großbritanniens und nicht gerade zimperlich im Umgang mit den Arbeitgebern.

Die Metallarbeitergewerkschaft mit ihren 1,2 Millionen Mitgliedern ist im Augenblick dabei, ihre Forderung für die nächste Lohnrunde zu formulieren. Sie tanzte im vergangenen September auf dem Jahreskongreß des Gewerkschaftsbundes TUC aus der Reihe, als sie die Regeln des "Sozialvertrags" nicht akzeptierte, der von den Gewerkschaften eine gewisse Mäßigung bei Lohnforderungen erwartet.

Unter dem starken Druck des Kongresses zog Scanlon damals seine Opposition gegen den zwischen Gewerkschaften und der vorigen Labour-Regierung unter Harold Wilson geschlossenen Vertrag zurück. Im gleichen Atemzug beharrte er aber darauf, daß sich an der grundsätzlichen Ablehnung auch einer freiwilligen Form der Lohnbeschränkung damit nichts ändere. Die nachteiligen Wirkungen seines ausgeprägten Beharrungsvermögens bekommen jetzt Scanlons Angestellte zu spüren. wk