Rudolf Braunburg: "Monsungewitter", Roman. Eine zarte Liebesgeschichte, die in Bangkok spielt – nicht im Bangkok der Touristen, sondern in einer Stadt voll Korruption und Kriminalität. Hier lebt die romantisch veranlagte Tonja, von der ehrgeizigen Mutter in den für sie unmöglichsten Beruf gesteckt – den einer Bankangestellten. An der Banalität ihrer Stellung verzweifelnd, zieht sie sich in die Welt des toten Vaters zurück, der ein Verehrer Hermann Hesses war und ihr Eichendorff-Verse vorgelesen hatte. In Brix, dem erfahrenen Jetset-Flieger, begegnet Tonja einem Gleichgesinnten, keinem Techniker, der von A nach B fliegt, sondern einem der alten Saint-Exupery-Garde. Für den Piloten wird Bangkok zum ruhenden Pol seiner großen weiten Welt, die die Herbststimmungen des Tessins, die Wüstenschattierungen Mauretaniens genauso umfaßt wie die Ausblicke aus seinem Bauernhaus in der Haseldorfer Marsch. Das Ende: keine billige Lösung, aber eine Hoffnung. (Schneekluth-Verlag, München, 1974; 360 S., 30,– DM.)

Jens Friedemann: "Die Scheiche kommen – Arabien: Zentrum neuer Macht." Jens Friedemann beschreibt die Mächtigen vom Persischen Golf, ihre Pläne, Sorgen und Hoffnungen. Der Autor, der mehrere Jahre lang für Araber Finanzgeschäfte in den Golf-Emiraten tätigte, schildert nicht nur die Hintergründe der Ölkrise und die Aktivitäten westlicher Wirtschaftspolitik, sondern zeigt auch, wie am Persischen Golf eine Öl-, Finanz- und Industriemacht entsteht, die den Westen überflügeln will, wie sich die Scheiche zu Herren eines weltweiten Finanzimperiums aufschwingen, dessen Reichtum in immer bedrohlichere Dimensionen anwächst, wie die Machthaber Milliarden für Entwicklungshilfe und den Aufbau eigener Industrien ausgeben. Daneben sind die Rolle des Eurodollarmarktes, der Bank Von England, Wechselkursgarantien, die Rolle des Goldes und das arabische Mißtrauen gegenüber Börsen und Geschäftemachern aus dem Westen dargestellt. (Lübbe-Verlag, Bergisch Gladbach, 1974; 264 S., 28,– DM.)

Theo Löbsack: "Versuch und Irrtum – Der Mensch: Fehlschlag der Natur." Dieses Buch geht einen provozierenden Schritt über die Studie "Grenzen des Wachstums" hinaus. Nicht den "Umweltsünder Mensch" sollten wir anprangern, sondern unser Gehirn – genauer: das menschliche Großhirn. Denn das selbstmörderische Verhalten des Menschen auf der Erde ist das unmittelbare und zwangsläufige Produkt dieses Organs. Stirbt der Mensch aus? Löbsacks Thesen lauten: Erbverfall, Zwang zum moralischen Handeln mit allen Folgen der Bevölkerungsexplosion, zunehmende Abhängigkeit von Arzneien und Prothesen, wachsende seelische Not kündigen den Artentod an. Der homo sapiens wird an seinem Großhirn scheitern wie einst die Saurier an ihrem übermäßigen Gewicht. Der triftigste Grund dafür wird die Umkehr des Auslesegesetzes der Natur durch den Menschen sein. Theo Löbsack ist ein Phantast. Seine Prognose ist erschreckend, doch begründet. (C. Bertelsmann-Verlag, München, 1974; 320 S., DM 29,50.)