So reibungslos vollzog sich die Wachablösung an der Regierungsspitze des Stadtstaates Hamburg, daß das Thema am Dienstag – noch vor der Wahl des Nachfolgers – schon wieder fast völlig aus der überregionalen bundesdeutschen Presse verschwunden war. Zu diesem Zeitpunkt bestand kein Zweifel mehr, daß der vom SPD-Landesvorstand nominierte Innensenator Hans-Ulrich Klose vom außerordentlichen Landesparteitag der SPD am Freitag für das Amt des Ersten Bürgermeisters bestimmt werden würde. Der Koalitionspartner FDP hat der Personalentscheidung in der Sozialdemokratischen Partei bereits zugestimmt.

Am späten Mittwochabend vergangener Woche hatte Bürgermeister Schulz durch seinen Rücktritt die Konsequenzen aus einer lange schwebenden, zuletzt offen ausgebrochenen Vertrauenskrise gezogen. Dem zweitjüngsten Regierungschef in der Bundesrepublik wurde bei aller Anerkennung seines "unermüdlichen politischen Einsatzes" nicht nur die verheerende SPD-Wahlniederlage vom 3. März angekreidet (Verlust von 10,4 Prozentpunkten und 14 Mandaten, zugleich der absoluten Mehrheit); die eigene Partei warf dem 44jährigen Nachfolger Herbert Weichmanns, der seit 1971 im Rathaus regierte, Führungsschwäche, ein blasses Image, fehlenden Kontakt zur Parteibasis und mangelndes Durchsetzungsvermögen bei Koalitionsreibereien vor.

Am Montag (28. Oktober), mitten im Streit um den neuen Etat, stellte Schulz gegenüber den sieben SPD-Senatoren die Vertrauensfrage und befristete die Antwort auf den folgenden Mittwoch. Als die Sieben an jenem Tag mit einstimmigern Nein antworteten, legte Schulz sein Amt nieder.

Unter den drei Nachfolgekandidaten – Landesvorsitzender Paulig, Innensenator Klose, Wirtschaftssenator Kern – war schon am Wochenende der 37 Jahre alte Jurist Klose aus Breslau eindeutiger Favorit. Widerspruch kam nur von den Hamburger Jungdemokraten, Sie verübelten dem Senator vor allem, daß er den stellvertretenden FDP-Fraktionsvorsitzenden Weber wegen politischer Ostkontakte als "Sicherheitsrisiko" beurteilt hatte, und bezeichneten seine Berufung als "beste Gewähr für ein rasches Ende der Koalition". Die FDP-Landesorganisation distanzierte sich vom Polterstil ihres Nach wuchs Verbandes,

Klose selber, der sich als "Mann der politischen Mitte" einstuft, sagte zu seiner Nominierung, sie käme ihm zu früh.