Die Gespenster, die seit Jahren durch den Kosmos astronomischer Theorien geistern, nehmen Gestalt an – obwohl sie von Natur aus unsichtbar sind: die sogenannten schwarzen Löcher,

Vor wenigen Monaten erst berichteten Astronomen des amerikanischen Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, daß sie Hinweise auf ein solches Sternengebilde gefunden hätten. Nun meldet dieselbe Gruppe um Professor Riccardo Giacconi im Astrophysical Journal die Entdeckung des zweiten Schwarzen Lochs.

Die Wissenschaftler stießen bei der Auswertung von Meßdaten des Forschungssatelliten Uhuru, der den Himmel vor allem im Bereich der Röntgenstrahlung vermißt, auf die Spur der langgesuchten Rätselobjekte: zuerst bei der kosmischen Röntgenquelle Cygnus X-l im Sternbild des Schwan und jetzt auf Cirinus X-l (X steht für X-Ray = Röntgenstrahlung).

Die Röntgenstrahlung ist der einzige bekannte Nachrichtenweg, auf dem Signale von einem Schwarzen Loch zu uns gelangen können. Schwarze Löcher sind Riesensonnen, die in ihrem Endstadium durch die eigene Schwerkraft von einer Kugel mit Millionen Kilometern Durchmesser auf einen winzigen Materieball im Meterbereich zusammenschrumpfen, in dem gleichwohl die gesamte Sternenmasse vereinigt ist. Die Anziehungskraft eines solchen unter der eigenen Gravitation begrabenen Sterns ist so groß, daß selbst Licht- oder Radiowellen nicht mehr aus dem Bannkreis des kosmischen Gnoms entweichen können.

Einzig die Röntgenstrahlung kann von einem Schwarzen Loch künden. Denn Materie, die in den himmlischen Mahlstrom hineinfällt und dann auf Nimmerwiedersehen verschwindet, sendet bei der Beschleunigung durch das starke Schwerefeld extrem kurzwellige Strahlung im Röntgenbereich aus.

Vorerst müssen die Astronomen zusätzlich nach einem sichtbaren Begleiter eines Schwarzen Lochs Ausschau halten, die zusammen ein Doppelsternsystem bilden. Sowohl die Röntgenquelle Cygnus X-l als auch Circinus X-l haben einen leuchtenden Partnerstern. gh