Zum zweitenmal in diesem Jahr hat die gewerkschaftseigene Bank für Gemeinwirtschaft ihre’ Zinssätze für Konsumentenkredite gesenkt. Endlich wird einmal etwas billiger! Die Großbanken und Sparkassen, die ihre Zinsen für Kleinkredite erst im August und September reduziert hatten, wollen sich der von der Bank für Gemeinwirtschaft eingeläuteten neuen Zinssenkungsrunde vorerst nicht anschließen. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. So merkwürdig es klingt: Die Kreditinstitute sind auf der Suche nach Kreditnehmern. Die Nachfrage nach Krediten nimmt ab.

Natürlich nicht generell. Es gibt ganze Branchen, die nach Geld lechzen. Aber deren Betriebe sind in den Augen der vorsichtig gewordenen Bankiers kaum noch kreditwürdig. Deshalb erinnert man sich gern des "kleinen Mannes", der erfahrungsgemäß auch in schwierigen Zeiten Zinsen und Tilgungen auf Kredite pünktlich zahlt. Natürlich gibt es auch im Kleinkreditgeschäft gelegentlich Ausfälle, besonders wenn ausländische Arbeitnehmer auf Nimmerwiedersehen in ihr Heimatland verschwinden. Aber wie leicht wiegen solche Verluste gegenüber den Millionenpleiten im Baugewerbe und in der Industrie.

Die sinkenden Kreditzinsen sind ein Signal dafür, daß nach den Sätzen für Termineinlagen demnächst auch die Zinsen für Spareinlagen rutschen werden. Das ist die Kehrseite des billigen Geldes. Vor dem Jahresende werden die Sparer die neuen Sätze jedoch nicht zu Gesicht bekommen. Zum Jahresende pflegen alle Kreditinstitute ein Höchstmaß an flüssigen Mitteln in ihrer Bilanz zu zeigen – und deshalb wird man die Sparer nicht erschrecken. Von Januar an wird es anders aussehen, besonders dann, wenn der Zentralbankrat den Diskont weiter senken sollte. Und damit ist schon in allernächster Zeit zu rechnen. K.W.