Waren, die nicht ewig haltbar sind, sollten ein Verfallsdatum haben. Aber oft bekommt der Käufer alten Ramsch.

In den abgegriffenen Gesundheitsmagazinen, die auf dem Wartezimmertisch beim Arzt liegen, können wir es immer wieder lesen: Hebt keine Arzneimittel auf, denn sie halten nicht ewig. Das ist wahr. Aber, so fragt sich mancher so belehrte Patient, wie sieht es in der Apotheke aus? Dort lagern schließlich auch Arzneimittel. Richtig, auch die werden manchmal alt und darum unwirksam, wenn nicht gar giftig. Das, so befand unser Bonner Gesundheitsministerium, soll in Zukunft verhindert werden. Darum schrieb es in seinem Gesetzentwurf zur Neuregelung des Arzneimittelwesens, daß künftig alle Medikamente mit einem Verfallsdatum versehen sein müssen. Ein guter, verbraucherfreundlichen Einfall.

Doch der Bundesrat, der sich gerade mit der Gesetzesnovelle beschäftigt, war da anderer Meinung. Er beschloß, die Bestimmung einzuschränken und nur noch die solche Fertigarzneimittel ein auf der Packung aufgedrucktes Verfallsdatum zu fordern, wenn die Haltbarkeitsdauer des Medikaments weniger als drei Jahre beträgt. In der Begründung für diesen Beschluß heißt es, damit wolle man "eine Anhäufung verfallener Arzneimittel" vermeiden.

Mit anderen Worten: Damit die Apotheker nicht zu viele alte Mittel fortwerfen müssen, soll sie gefälligst der Kunde kaufen. Wen kümmert es schon, ob sie noch gut sind oder nicht.

Mit der Haltbarkeit von Waren tun wir uns in diesem Lande überhaupt schwer. Lange schon sind die Hersteller von Lebensmitteln gehalten, die Packungen ihrer Produkte mit einem Datum zu versehen, nach dem sie nicht mehr verkauft werden dürfen. Doch wie das in der Praxis aussieht, weiß jeder, der einmal Milch, Butter oder Joghurt eingekauft hat. Alles ist deutlich auf der Verpackung zu lesen, die "Spitzenqualität" oder "Sahnebutter" (als wenn es Butter gäbe, die nicht aus Sahne hergestellt ist) und natürlich auch der Preis. Indes, mit Mühe nur, wenn überhaupt, ist der blassen Einprägung das Wichtigste zu entnehmen, das Verfallsdatum. Ärgerlich ist dies, weil es die Absicht deutlich werden läßt, die Absicht, dem, Kunden alte Ware anzudrehen, die nach dem Gesetz längst hätte vernichtet werden müssen.

Die Mißachtung von Konsumentenrechten wird besonders deutlich bei einer Ware, deren begrenzte Haltbarkeit außer Frage steht, bei elektrischen Batterien. Eine Batterie verliert, wenn sie gelagert wird, an gespeicherter Energie, sie wird zunehmend unbrauchbar. Das zeigt der kurze Test (sofern er heute überhaupt noch vorgenommen wird) am Voltmeter im Laden nicht an. Denn eine 9-Volt-Batterie kann immer noch eine Spannung von neun Volt am Meßinstrument zeigen, wenn sie längst schon (wegen ihres gewachsenen Innenwiderstands) keiner Belastung mehr standhält, also beim Gebrauch "in die Knie geht".

Batterien müßten selbstverständlich mit einem Verfallsdatum versehen sein. Aber das sind sie nicht. Wohl prägt der Produzent ein solches Datum ein, aber es ist verschlüsselt, damit es der Kunde nicht erfährt. Fragt man einen Batteriehersteller, warum er diese wichtige Information vor dem Verbraucher verborgen hält, dann lautet die Antwort: Der Einzelhandel verlange dies. Er möchte nicht auf dem alten Zeug sitzenbleiben, sondern es verkaufen.

Wieso lassen wir uns solch offenbaren Betrug gefallen? Es müßte in der Bundesrepublik Verbraucherverbände geben, die gelegentlich etwas für die Verbraucher tun. Thomas von Randow