Der "Bundesverband deutscher Zeitungsverleger" (BDZV) hat die Aufgabe, die gemeinsamen Interessen aller Zeitungsverleger zu vertreten, gegenüber dem Staat, den Journalisten, den Gewerkschaften, den Papierfabriken – und gegenüber der Post. Jetzt hat der Verband Bundeskanzler Schmidt gebeten, die für den 1. Januar 1975 vorgesehene Erhöhung der Postzeitungsgebühr rückgängig zu machen. Schmidt hat sich bisher geweigert: "Wenn ich den Verlegern nachgebe, kann ich gegen die Landwirtschaft (Kohle, Textil, Bauwirtschaft) nicht fest bleiben."

Eines ist sicher: Die Post setzt beim Zeitungs- und Zeitschriftenversand zu; dieses Jahr etwa 600 Millionen Mark. Schmidts Härte imponiert mir. Der Kampf dieses tapferen Mannes etwa gegen zu hohe Bezüge im öffentlichen Dienst verdient Respekt. Ich wünschte, die Opposition würde ihn darin kräftiger unterstützen.

Nun hat sich aber die Post vorgenommen, die Gebühren gleich exorbitant zu erhöhen: Bei der ZEIT sind das für die Abonnements 65 Prozent. 1974 werden wir der Post für die Beförderung der ZEIT-Abonnements rund zwei Millionen Mark zahlen; 1975 also 1,3 Millionen mehr. Das erinnert an die Praxis der Ölscheichs. Übrigens haben sich auch die Gebühren für Telephon und Telex um 15 Prozent erhöht, obwohl schon die alten Gebühren die Kosten voll deckten. Mehrkosten pro Jahr: 100 000 Mark.

Was sind eigentlich "Postzeitungsgebühren"? Die Druckereien der ZEIT in Frankfurt und Hannover werfen jede Mittwochnacht den örtlichen Zeitungspostämtern auf einmal 175 000 Exemplare der ZEIT (bei dieser Ausgabe etwa 112 000 kg) ins Haus, gebündelt nach Absatzpostämtern. So bekommt etwa das Absatzpostamt 80 in München 1590 Stück. Im Bundesgebiet und Westberlin gibt es zusammen rund 670 Absatzpostämter. Jedes Absatzpostamt hat eine Kartei der ZEIT-Abonnenten und eine Adrema. Fleißige Postbeamte jagen die einzelnen Exemplare der ZEIT durch die Adrema, "adressieren" also. Der Leser findet seine Anschrift (in der typischen Adrema-Schreibweise) am Rand des Blattes. Dann geht die Zeitung an das Zustellpostamt (davon gibt es rund 3340) und an den Briefträger, der sie mit der anderen Post sortiert und zugleich mit Rechnungen und Liebesbriefen (Ehmke!) und Werbedrucksachen dem Kunden ins Haus bringt.

Die deutsche Post hat da eine in der ganzen Welt vorbildliche Organisation aufgebaut. Sie kann nicht billig sein. Die Höhe der Postzeitungsgebühr hängt vom Gewicht des Blattes ab. Im Durchschnitt berechnet uns die Post pro Exemplar der ZEIT 22, ab nächsten Januar 37 Pfennig. Diese Gebühr wird immer höher, je weiter die Beamtengehälter steigen und je weniger die Beamten arbeiten.

Dazu eine Information: 1961 fand ich mich als Abgeordneter des Deutschen Bundestages plötzlich im Postausschuß wieder. Jahrelang war ich Mitglied des Verkehrsausschusses des Bundestages gewesen; der wurde 1961 mit dem Postausschuß zusammengelegt. In einer der ersten (gemeinsamen) Sitzungen legte das Postministerium den Geschäftsbericht vor; er zeigt Einnahmen und Ausgaben der Post im vergangenen Jahr. Ich war verblüfft und erschrocken, da zu lesen, daß der "Postzeitungsdienst" die Post damals etwa 300 Millionen Mark kostete. Ein solcher Zuschuß für die Geschäfte der privaten Zeitungs- und Zeitschriftenverleger? Das konnte doch nicht wahr sein.

Also fragte ich die versammelte Runde (Abgeordnete aller Parteien, Minister, die Ministerialbeamten, die anwesenden Experten): "Welchen Anlaß hat der Steuerzahler, die von HÖR ZU und STERN verschickten Anzeigen zu subventionieren?" Die Folge war ein Protestschrei aller. Die billigen Gebühren kämen auch kleinen Blättern zugute, hörte ich. Sie hülfen, daß alle Zeitungen überall in Deutschland zu vernünftigen Preisen zu beziehen seien. Ich blieb bei meiner Ansicht, daß nämlich auf die Dauer ein Gewerbe nicht auf Zuschüssen des Staates aufgebaut werden könne, und sagte der fast feindseligen Versammlung: "Eines Tages wird die Lage des Staatshaushaltes Sie zur Gebührenerhebung zwingen, und das wird genau der Augenblick sein, in dem die Zeitungen es nicht ertragen können." Mein Vorschlag sei: Die Gebühren jedes Jahr um 5 Prozent, bis zur völligen Kostendeckung zu erhöhen.