Von Wolfgang Baranowsky

Zunächst denkt man an Grippe: Kopf- und Gliederschmerzen, Mattigkeit, Frösteln, Husten, erhöhte Temperatur, Appetitlosigkeit erzeugen ein intensives Krankheitsgefühl. Wenn man an Typhus denkt, denkt man meist an Durchfälle. Zunächst aber ist die Verstopfung häufiger. Das erste charakteristische Zeichen ist eine von Tag zu Tag auf der Fieberkurve treppenstufenartig ansteigende Temperatur, die sich am Ende der ersten Krankheitswoche bei 39 bis 40° C stabilisiert.

Kranke mit verdächtigen Symptomen werden auf Isolierstationen festgehalten, weil Typhus eine gefährliche Infektionskrankheit ist, die nicht nur den Angesteckten, sondern auch seine Umgebung gefährdet. Nicht umsonst ist schon der Verdacht auf Typhus nach dem Bundesseuchengesetz meldepflichtig: Das zuständige Gesundheitsamt muß sofort informiert werden. Beim typischen Verlauf bleibt das Fieber in der zweiten und dritten Krankheitswoche konstant bei 39 oder 40 Grad. Zwei Symptome sichern jedoch in der zweiten Woche den Befund:

  • Der Kranke zeigt eine auffällige Benommenheit (Somnolenz). Daher kommt überhaupt der Name der Krankheit: "typhos" heißt auf griechisch "benebelt".
  • Am neunten oder zehnten Tag tritt ein blaßrotfleckiger Ausschlag am Rumpf, besonders am Bauch, auf.

Inzwischen aber sind noch andere eindeutige Zeichen zu bemerken. So die "Typhuszunge": grauweiß, oft mit braunen Borken belegt, bis auf die hochroten Ränder und die Spitze. Ferner ist auffällig, daß die Pulsfrequenz nicht steigt wie sonst bei hohem Fieber, sondern daß sie oft sogar sinkt. Das Herz paßt sich der Mehrbelastung also nicht an; seine Tätigkeit ist im Verhältnis zur Körpertemperatur verlangsamt (relative Bradykardie).

Inzwischen sind auch Milz und Leber vergrößert, oft kommt es zu einer leichten Gelbsucht. Die Verstopfung geht meist mit einer hartnäckigen Windverhaltung einher, so daß der Leib schließlich schmerzhaft aufgetrieben ist.

Wie ist es zu diesem Krankheitsbild gekommen? Durch den Mund gelangen die Erreger – Salmonella typhi – in den Körper, und zwar durch verseuchte Nahrung, vor allem Milch oder Wasser, in der sich Salmonellen befinden. Es genügt, daß Milchkannen oder Flaschen mit derartig verunreinigtem Wasser gespült wurden. Bei der Typhusepidemie, die 1955 in Hagen/Westfalen von einer Molkerei ausging, war die Ursache ein leckes Abflußrohr, das Abwässer von Toiletten einer Siedlung fortleitete und den Boden um einen Brunnen verseuchte, aus dem die Molkerei ihr Spülwasser schöpfte.