Die Beziehungen der Bundesrepublik zu Persien sind nicht allen Bonner Politikern so am Herzen gelegen wie etwa Wirtschaftsminister Hans Friderichs, der sie durch seine Reisediplomatie gefördert hat. Dieser Eindruck mußte entstehen, seit die vom 25. November bis zum 1. Dezember geplante Persienreise einer Bonner Parlamentsdelegation – die Einladung dazu war aus dem Iran gekommen – geplatzt ist.

Die Bonner hatten kurzfristig auf eine Vorverlegung der Reise gedrängt, als der vorgesehene Delegationschef, Bundestagsvizepräsident Kai-Uwe von Hassel, erkrankt war. An Hassels Stelle sollte Bundestagsvizepräsident Hermann Schmidt-Vockenhausen einspringen, der jedoch zum ursprünglich vereinbarten Termin verhindert war. Die Perser, die überrascht darüber waren, daß die Einhaltung fest zugesagter Termine vom Wohlbefinden einzelner Politiker abhängen sollte, sollen darüber verstimmt sein. Sie konnten nicht so schnell umdisponieren, wie es den Reisenden aus Bonn genehm gewesen wäre, und luden die Deutschen wieder aus.

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Die wirtschafts- und gesellschaftspolitische Vielzweckwaffe der Freien Demokraten, Otto Graf Lambsdorff, grollt der ZEIT. Sie habe in ihrer letzten Ausgabe die drei Tage währende öffentliche Expertenanhörung zur Mitbestimmung als bedeutungslos abgetan (was nicht stimmt; es wurde lediglich angemerkt, daß eine ausgedehnte Expertenanhörung besser schon vor einem Jahr, vor der feierlichen Absegnung des Koalitions-"Kompromisses", hätte stattfinden sollen).

Als erster sozial-liberaler Politiker teilt Lambsdorff jedoch ausdrücklich unseren Verdacht, daß das Mitbestimmungsgesetz weder zu Beginn des kommenden Jahres, wie in der Regierungserklärung angekündigt, noch im Jahre 1975 in Kraft treten werde. Lambsdorffs Prognose: die erste Hälfte des (Wahl-)Jahres 1976. Bis dahin werden die zuständigen Ausschüsse in der Tat genügend tun müssen, um die liberalen Einwände gegen den vorliegenden Entwurf – unter anderem gegen das geplante Wahlverfahren – zu berücksichtigen.

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Ein "Zuhause für Anspruchsvolle" entsteht gegenwärtig in einer der besten Bonner Wohnlagen. Die staatliche Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen (LEG) preist das Projekt "Am Römerlager" in gewaltigen Lettern an – in der Bild-Zeitung,dem Blatt der Anspruchsvollen. Nach Ansicht dieser öffentlichen Trägergesellschaft gehören zum begrenzten Kreis der anspruchsvollen Individualisten: "Angehörige des diplomatischen Dienstes, Universitätslehrer, Mitglieder der Ministerien – kurz... all jene Menschen, die kultivierten Lebensstil in ihrer Umgebung ... zu schätzen wissen."