Noch heute stocke ich, wenn ich schreibe, bei jedem Wort und komme mitten in jedem Satz in Gefahr, den Faden zu verlieren. Ich schreibe, streiche, schreibe neu, streiche wieder: ohne Ende." Merkte man dem Werk des Autors der "Gärten der Finzi-Contini" diese Mühsal an, es taugte nicht viel. Aber eben die artistische Anstrengung, die Anstrengung des Hervorbringens im Kunstprodukt auszulöschen, hat die Arbeiten dieses Italieners bis auf die Satzmuskulatur mager trainiert. Kein Wortfett, nichts Opulentes, Überquellendes: beredte Sparsamkeit, Texte, in welche die Streichungen als Verschwiegenheit beharrlich eingearbeitet sind; realistische Ökonomie in der zeitgenössischen Tradition dieses Landes, sagen wir, Paveses.

Der neue Band Erzählungen von –

Giorgio Bassani: "Der Geruch von Heu", Erzählungen, aus dem Italienischen von Herbert Schlüter; Piper Verlag, München, 1974; 161 S., 24,– DM

ist also trotz seines Titels fern von Proust. Anders wird hier erinnert, anspruchsloser, gewiß. Was war, ist da, das Widerfahrene. Natürlich steht es auch bei Bassani im Imperfekt; aber das Innewerden des Vergangenen erzeugt nicht jenen reißenden Schmerz des Nimmermehr, sondern ein eher nüchternes, manchmal leise belustigtes "So war das damals" und, mag sein, es war schlimm genug.

Zwar gab es in Italien kaum Antisemitismus, aber 1938 wurden immerhin nazistische Rassengesetze verordnet, und das deutsche Gift bewirkte denn doch hier und da Bewußtseinsinfekte, denen gegenüber das Gefühl in Verlegenheit war.

Bassani wurde 1916 in einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren. Das besondere Klima, in dem er heranwuchs und seine Jugend verbrachte, durchdringt sein "Ferrara, dieses kleine, abgesonderte, von mir erfundene Universum", das auch in dieser neuen Sammlung nicht Schauplatz, sondern Protagonist ist, eine literarische Provinz, wie sie auch Faulkner oder Grass sich schufen; Heimat, in die der Schreibende stets zurückkehrt, weil es keinen Winkel gibt, den seine Phantasie nicht kennt oder erhellen könnte.

Ich weiß nicht, wann das Nachwort geschrieben wurde, aus dem ich schon eingangs zitierte und in dem Bassani freimütig die Entstehungsnöte seiner Arbeiten beschreibt: "Die Jahre der Ferrareser Geschichten." Die letzten außer diesen neuen erschienen jedenfalls 1960. "Während ich mit brüderlichem, solidarisch empfindendem Herzen von anderen erzählte, blieb ich stets bedacht, mich selbst hinter den halb pathetischen, halb ironischen Künsten von Syntax und Rhetorik wie hinter einem Schutzwall zu verstecken", notiert er und berichtet, wie er dahin kam, die seigneurale Distanz des traditionellen Erzählers aufzugeben und sich als Ich unter seine Ferrareser zu mischen. Das hat er inzwischen öfter getan, ohne ein Prinzip daraus zu machen. Die Hälfte der neuen Geschichten ist Er-, die andere Hälfte Ich-Erzählung. Natürlich kann ein Autor sich in einer Er-Erzählung preisgeben, in einer Ich-Erzählung verstecken, und das Ich, das einer war, das jugendliche, wird, aus zeitlicher Ferne besehen, ohnehin fiktiv.