Seit: Wochen ist unsere Wohnung eine Mischung aus Treibhaus und Elektronik-Labor. Überall stehen Apparate herum, liegen Drähte, stolpert man über Pflanzen. Und jeder, der uns besucht, muß mitmachen, muß liebevoll an Pflanzen denken, scheußliche Mordpläne gegen ein Philodendron schmieden, eine Spinne, die in eine Streichholzschachtel eingesperrt ist, schütteln, eine Fliege töten oder andere, für ihn ungewöhnliche Taten verrichten. Einige unserer Topfpflanzen sind an Apparate angeschlossen. Eines ihrer Blätter ist zwischen zwei Metallplatten eingeklemmt, von denen Drähte ausgehen, die an einem elektronischen Galvanometer oder einem überaus empfindlichen Spannungsmeßgerät enden. Die Geräte registrieren, was die Pflanzen fühlen – ja fühlen: ob sie sich freuen, ob sie erschrecken, Gedanken lesen, entsetzt oder enttäuscht sind.

Denn Cleve Backster, ein amerikanischer Spezialist für Lügendetektoren, hat behauptet, Pflanzen wären solcher Empfindungen fähig, zwei Journalisten haben ein Buch darüber geschrieben –

Peter Tompkins/Christopher Bird: "Das geheime Leben der Pflanzen"; Scherz Verlag, Bern, 1974; 240 S., 26,– DM

und mir fiel die Aufgabe zu, dieses Buch zu rezensieren.

Gewiß, ich hätte es wie die anderen machen können, die "Das geheime Leben der Pflanzen" besprochen haben, verwundert den Inhalt referieren, just mit so viel Ironie, daß einem niemand vorwerfen kann, man falle auf jeden Unsinn herein, daß aber, sollte sich das Ganze als wahr herausstellen, auch niemand hernach "siehste" sagen kann. Nein, so leicht wollte ich es mir nicht machen.

Also beschloß ich, dem "geheimen Leben" experimentell auf den Grund zu gehen.

Mister Backster und seine Gläubigen-Schar behaupten: Pflanzen äußern ihre Gefühle elektrisch, indem sie den Widerstand, den etwa ein Blatt einem schwachen elektrischen Strom entgegensetzt, deutlich verändert. Mit einem elektronischen Galvanometer, das den zu messenden Gegenstand mit nur äußerst wenig Stromdurchfluß belastet, sollen diese Widerstandsänderungen nachweisbar sein.