Bruno Maderna: "Ein Dokument"

Vor einem Jahr starb Bruno Maderna – der italienische Dirigent der musikalischen Avantgarde schlechthin. Die Darmstädter Ferienkurse in den fünfziger und sechziger Jahren, das Mailänder "Studio di Fonologia" und die Ferienkurse in Tanglewood, Amsterdam und London, New York und Salzburg sind ihm gleichermaßen verpflichtet. Der Mitschnitt eines Konzertes bei den Salzburger Festspielen 1973 – Musik von Messiaen, Strawinsky, Boulez und Lutoslawski – soll noch einmal sein ebenso impulsiv-spontanes wie logisch-analytisches Musizieren dokumentieren. Der Reinerlös dieses unbedingt empfehlenswerten Albums wird den drei Kindern Madernas zugute kommen (Telefunken 6 48066, 2 LP; 39 – DM) Heinz Josef Herbort

"Schönberg-Berg-Webern"; Berliner Philharmoniker, Herbert von Karajan

Schönbergs Forderungen lägen einfach jenseits der normalen Grenze – sagt Herbert von Karajan und meint die akustischen Bedingungen von Konzertsälen; weswegen er bei der Aufnahme für jede der "Variationen op. 31" eine andere Aufstellung des Orchesters praktizierte (und infolgedessen die Variationen bei den Festwochen nicht mehr in der normalen Sitzweise bieten konnte). Wenn Karajans Engagement hier ebenfalls jenseits seiner normalen Grenze läge, könnte man Neues über die Strukturen der Werke erwarten – so bleibt es beim schönsten Legato-Klang, bei unglaublich nuancierten Endlos-Strömen, bei eminenten Ausdrucksstärken und genüßlichen Affekt-Akzenten. Die "Neue Wiener Schule" ist wieder näher an die von ihr verlassene Spätromantik gerückt. (Deutsche Grammophon 2711014, 4 LP; 100,– DM)

Heinz Josef Herbort

Jan Garbarek, Keith Jarrett, Falle Danielsson, Jon Christiansen: "Belonging" Wer den Pianisten Jarrett mit dem Trio des Saxophonisten Garbarek im hundertsten Jazzworkshop des NDR in Hannover gehört hat, mag. bedauern, daß die Schallplatte nicht dieses atmosphärisch dichte Konzert wiedergibt, sondern eine Studioaufnahme ohne Nebengeräusche (wie das lustvolle Stöhnen und Fauchen des Pianisten). Dennoch bietet "Belonging" einen bemerkenswert expressiven, den Hörer ergreifenden, mitunter angreifenden, auch zu Meditationen aufrufenden Jazz, der am fesselndsten da ist, wo der Rhythmus Kobolz schießt und die eindeutig prägende Kraft ist. (ECM 1050)

Manfred Sack