Der Wettlauf um Kunden für den Starfighter-Nachfolger wurde zum Skandal

Im harten Geschäft mit Waffen sind Schläge unter die Gürtellinie nichts Außergewöhnliches. Kenner der Branche konnte deshalb auch der Theaterdonner in der französischen Nationalversammlung nicht überraschen: Dort wurde Paul Stehlin – ehemaliger Fliegergeneral und Stabschef der Luftwaffe – als Vize-Präsident der Nationalversammlung zum Rücktritt gezwungen. In einer Studie über die derzeit auf dem internationalen Markt angebotenen Kampfflugzeuge, die den betagten Starfighter F 104 ablösen könnten, hatte er die amerikanischen Maschinen besser beurteilt als den französischen Dassault-Jet Mirage F 1 M 53.

Eigentlich hatte die Studie als Geheimsache gar nicht öffentlich diskutiert werden sollen, aber über unbekannte Quellen hatten holländische Regierungsbeamte den Inhalt des Stehlin-Papiers erfahren. Als sie in Paris vertraulich nachfragten, ob die Mirage wirklich so schlecht sei wie der Ex-General meint, wurde die Sache publik.

Daß die Holländer Klarheit über die Frage haben wollen, ist verständlich. Denn gemeinsam mit Belgien, Dänemark und Norwegen suchen die Niederlande bereits seit über einem Jahr den idealen Starfighter-Nachfolger. Um den neuen Jet möglichst billig zu erstehen, wollen sie gemeinsam eine Sammelbestellung aufgeben: vorerst geht es um 350 Maschinen im Wert von rund zehn Milliarden Mark.

und P 503 von General Dynamics) vertreten; England, Schweden und Frankreich mit je einem Flugzeug. Und niemand bestreitet, daß in diesem Wettkampf nicht unbedingt mit feinen Methoden gekämpft wird. Vor einem Hearing in den USA gaben die Manager von Northrop kürzlich zu, daß sie natürlich einen "Fonds" zur Verfügung hätten, über dessen Verwendung man nur ungern Auskunft gibt.

Die Franzosen indes fielen durch eine Reihe von Ungeschicklichkeiten auf: In Holland untersucht ein parlamentarischer Ausschuß, ob nicht die Mirage-Hersteller niederländischen Volksvertretern Bargeld und Beraterverträge angeboten haben. Auch gegenüber den Dänen sollen französische Regierungsbeamte ziemlich massiv auf die Qualitäten der Mirage F 1 M 53 hingewiesen haben. Aus der Schweiz, die ihre Rüstungsaufträge im Alleingang besorgt, kommen ebenfalls Klagen über die hemdsärmeligen Methoden der Jet-Handlungsreisenden aus Frankreich,

Der Aufstand in der Nationalversammlung war indes professionell organisiert: Paul Stehlin wurde von Freund und Feind beschimpft. Am deutlichsten machte Marcel Dassault, von dessen Konstrukteuren die Mirage entwickelt wurde und in dessen Werkhallen die schnellen Jäger zusammengebaut werden, seinem Unmut Luft. Nachdem er Paul Stehlin zum Rücktritt aufgefordert hatte, warb er für die Mirage: Er lud die amerikanische Konkurrenz zu einem simulierten Luftkampf ein, bei dem mit Kameras statt Kanonen geschossen werden soll.