In Bordeaux macht ein Weinpanscher-Prozeß von sich, reden

Der Weinfälscherprozeß von Bordeaux ist nicht der erste und wird nicht der letzte sein. Aber was immer die Strafkammer des Departements Gironde entscheidet: der Schaden ist nicht wiedergutzumachen – falls es ein – Schaden ist, daß der vor allem in englischsprechenden Ländern schier vergötterte "Ciaret" zurückgeholt wird ins Reich der alkoholischen Getränke, das von Marktgesetzen beherrscht wird.

Seinen internationalen Aufmerksamkeitswert verdankt der Prozeß den Tatsachen, daß es schließlich um Bordeaux geht, also um das größte Qualitätsweingebiet der Welt, wo so viel Wein gekeltert wird, wie Frankreich insgesamt exportiert (etwa dreieinhalb Millionen Hektoliter); und daß unter den Angeklagten Lionel Cruse ist, einer der angesehensten Weinhändler Frankreichs.

Die eigentliche Sensation freilich brachte die Aussage des Weinmaklers Pierre Bert: Bordeauxweine werden schon seit langem verschnitten (mit anderen Weinen gemischt) und chemisch aufbereitet. .

Bordeaux macht da keine Ausnahme. In allen Weingebieten der Welt wird verschnitten und chemisch aufbereitet. Der Gesetzgeber verbietet das längst nicht mehr, versucht es nur noch zu kontrollieren.

In einem ist das Gesetz komisch streng und keusch. Zwar erlaubt es, schon durch unklare Ausdrucksweise, mancherlei, aber eins will es partout nicht dulden, und es sagt ganz klar: daß Rotweine nicht mit Weißweinen verschnitten werden dürfen.

Gerade das bietet sich an in "Bordeaux" – einem der zwölf französischen Weinbereiche mit "kontrollierter Bezeichnung" (appellation côntrolée). Der rote Bordeaux minderer Lagen (crus) hat ja gern einen leicht bitteren Gerbsäuregeschmack, der sich trefflich korrigieren läßt (und, nach Monsieur Bert, schon lange korrigiert wird) durch einen Schuß süßen, weißen Bordeaux.