„Der Kommissar und sein Lockvogel“ von Josfi Giovanni

Mit dem reißerischen deutschen Titel tut sich der Verleih, der schon Giovannis „Le Repace“ als „Die im Dreck verrecken“ verhökerte, auch diesmal keinen Gefallen. „Dernier Domicile Connu“ aus dem Jahre 1969 handelt vom grimmigen Alltag zweier Pariser Polizeibeamten, die in mühseliger Kleinarbeit einen verschwundenen Zeugen ermitteln. Mit dokumentarischer Präzision und sicherem Sinn für authentische Atmosphäre schildert Giovanni die schwierige, schließlich doch vergebliche Arbeit. Lino Ventura spielt den mürrischen Kommissar mit einer sensiblen Mischung aus Härte und Melancholie. Marlene Jobert als seine Assistentin war nie wieder so spröde und schön wie hier. Beklemmend konsequent entwickelt sich der Film zu einer düsteren Chronik der Sinnlosigkeit. Sehenswert.

Hans C. Blumenberg

„Sackgasse“ von William Wyler

Gleich fünf Filme des akademisch-betulichen Hollywood-Veteranen William Wyler zeigt das ZDF bis zum Januar, darunter den sentimentalen Evergreen „Ein Herz und eine Krone“ und die leidlich unterhaltsame Gaunerkomödie „Wie klaut man eine Million?“ In seiner besten Zeit profitierte Wyler von dem genialen Kameramann Gregg Toland („Citizen Kane“), der auch das 1937 entstandene Gangster-Melodram „Sackgasse“ photographierte. Ein arbeitlsoser Architekt bringt seinen Jugendfreund zur Strecke, den finsteren Killer „Baby Face“ (Humphrey Bogart). Unter Wylers pompös steriler Regie muß Bogart eine undifferenzierte Schurken-Charge mimen. Die handwerklich perfekte Sorgfalt der Inszenierung verdeckt nur unvollkommen die innere Leere das Dramas. Schon damals beschränkte sich Wylers Fähigkeit in erster Linie auf das kultivierte Arrangement von Studio-Dekors. Besser sind „Die kleinen Füchse“ mit Bette Davis, die am 30. Dezember folgen. „Sackgasse“ läuft am 18. November im ZDF. Hans C. Blumenberg

„Die Reise nach Palermo“ von Vittorio de Sica

Geschmäcklerisch breitet de Sica Dekors, Interieurs, Kostüme und Requisiten des Fin-de-Siècle aus, wenn er nicht gerade zu banal-weinerlichen, auf Tiefsinn frisierten Dialogen seine Stars Sophia Loren und Richard Burton in schier endlosen porentiefen Nahaufnahmen abfeiert. Ein anämischer Weichzeichnerschwulst, den man einem Lelouch nachsehen würde, nicht aber de Sica, dem Altmeister des italienischen Neorealismus. Burkhard Bütow