In diesen Tagen haben zwei große Fonds-Unternehmen ihre Jahresberichte veröffentlicht: Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen (DWS) – der Deutschen Bank nahestehend – und Union Investment – getragen von einigen Privatbanken und den Volksbanken. Was die Fonds-Verwaltungen zu ihren Abschlüssen zu sagen hatten, war für den Investment-Sparer alles andere als erfreulich. An keinem Aktienfonds sind die Folgen der weltweiten Börsen-Baisse spurlos vorübergegangen. Die Fonds-Verwaltungen beschränkten sich deshalb folgerichtig auf den Nachweis, besser gewirtschaftet zu haben als der für den einzelnen Fonds jeweils anwendbare Index.

Dazu gehörte allerdings nicht viel. Am besten hat in den letzten zwölf Monaten derjenige Fonds investiert, der über einen möglichst hohen Anteil an Liquidität verfügte – und diese natürlich hochverzinslich angelegt.

Diese Tatsache hat einige Leute auf den Gedanken gebracht, eine neue Fonds-Variante zu fordern, nämlich den Cash-Fonds, eine Einrichtung, die das ihr zufließende Geld nicht in Effekten anlegt, sondern es den Kreditinstituten als Einlage zur Verfügung stellt. Sie werden natürlich fragen, meine verehrten Leser, wozu einen spesenfressenden Fonds, wenn man lediglich Geld zu den Kreditinstituten tragen will? Das kann jeder Anleger für sich selbst ebensogut erledigen. Nicht ganz, denn die Cash-Fonds-Anhänger verweisen darauf, daß größere Beträge eben zu besseren Konditionen ausgeliehen werden können als 1000 Mark und weniger.

Ich halte von Cash-Fonds nichts, es sei denn, man müsse das Wertpapiersparen in der Bundesrepublik völlig abschreiben. Viele Leute sind dieser Meinung. Sie vertreten die Ansicht, daß besonders die Aktie ihre Rolle als Sparinstrument ausgespielt hat, weil wir uns in eine politische Richtung bewegen, die dem Eigentümer von Produktionsmitteln nur noch ein bedingtes Verfügungsrecht beläßt. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre, die diskutierte paritätische Mitbestimmung, die diversen Pläne der "Vermögensbildung", also die Teilenteignung der bisherigen Aktionäre, scheinen das zu bestätigen.

Noch ist das Rennen gegen den Aktien-Sparer aber nicht gelaufen. Deshalb ist es nach meiner Ansicht zu früh, die Flinte heute schon ins Korn zu werfen. In der gegenwärtigen Situation kommt es auf Beweglichkeit an, nicht auf einseitige Beschränkungen, wie sie ein Cash-Fonds ebenso bringen würde, die manche Aktienfonds schon haben, indem sie "satzungsgemäß" auf bestimmte Anlagenschwerpunkte fixiert sind. Das sollte nur wenigen Spezialfonds überlassen bleiben, in denen spekulativ veranlagte Sparer eine Heimat finden können. Die Masse der Investment-Sparer verlangt nichts anderes als eine Anlage ihrer Gelder dort, wo der größte Nutzen (oder der geringste Schaden) zu erwarten ist. Die Entschuldigung mancher Fonds-Manager, im vergangen Jahr deshalb so stark in Aktien investiert gewesen zu sein, weil der Sparer ja Anteile eines Aktien- und nicht Liquiditäts-Fonds erworben habe, ist doch wohl recht dürftig. Jeder Sparer ist dankbar, wenn ihm in schweren Börsenzeiten Verluste durch eine geschickte Anlagepolitik erspart werden. Es sollten, die vom Gesetzgeber bestimmten Grenzen in der Anlage nicht durch Satzungsbeschränkungen noch enger gezogen werden. Und wo der Gesetzgeber zu engherzig erscheint, muß man ihn auffordern, seine Position zu überdenken. Notfalls auch mit Hilfe der Öffentlichkeit.

Die Zeiten, in denen das Fonds-Sparen als das "große Glück" der Öffentlichkeit verkauft wurde, sind vorüber. Inzwischen wissen wir, daß auch die Fonds-Experten nur mit Wasser kochen und von ihnen keine Wunder zu erwarten sind. Wenn es dennoch einige Fonds gibt, bei denen die Zahl der verkauften Anteile größer war als die der zurückgegebenen, dann beweist das die Existenz eines harten Kerns von Investment-Sparern, der auch in schweren Börsenzeiten noch an die Zukunft der Aktie glaubt.

Daß die Fonds-Verwaltungen ihren Sparern diese bessere Zukunft voraussagen, ist nicht verwunderlich. Das gehört zu ihrem Job. Schließlich leben sie vom Vertrauen ihrer Sparer. Die These der Fonds-Leiter: "In den nächsten Monaten muß es zu einer weiteren Zinssenkung kommen. Sie wird auch auf den Aktienmarkt ausstrahlen." Bei Union Investment erwartet man die Zinssenkung allerdings erst für Januar und Februar, man ist sich aber auch bewußt, daß die Börsentendenz immer wieder durch negative Nachrichten aus der Wirtschaft gestört werden wird. Aber die Zinssenkung werde dem Aktienmarkt eine freundliche Tendenz bringen.