Die Kommunistische Partei will künftig mit den kleinen Unternehmern zusammenarbeiten

Noch sind in Italien Unternehmer und Manager für die in den Gewerkschaften organisierten Arbeiter Abbilder des Leibhaftigen, die man mit radikalen Wandsprüchen exkommuniziert. Aber die Kommunsitische Partei Italiens (KPI) hat jetzt einen Schutzpatron entdeckt, der Italiens kleine und mittlere Unternehmer gesellschaftsfähig machen soll: Carlo Marx, alias Karl Marx, Verfasser des Kommunistischen Manifests. –

Ein Jahr lang hatte die KPI ihren ersten Unternehmerkongreß sorgfältig vorbereitet. Eine von der Parteiführung eingesetzte Sonderkommission knüpfte Verbindungen zur Unternehmerschaft. Nach dem KPI-Angebot des "historischen Kompromisses" an die Christlichen Demokraten und angesichts des Mißvergnügens der Wirtschaft an der italienischen Krise war der Zeitpunkt gut gewählt. Die Wirtschaftsstrategen der KPI staunten allerdings, als sich mehrere hundert Unternehmer in den Ballsaal des Mailänder Sforza-Castells drängten, um über "die Lage der Klein- und Mittelindustrie in der italienischen Wirtschaftskrise" zu diskutieren. Diesen Erfolg hatten die Kommunisten in ihren kühnsten Träumen nicht erhofft.

Die KPI hat ihr Herz für die fast 800 000 Kleinunternehmen natürlich nicht von ungefähr entdeckt; immerhin beschäftigen die bislang verhöhnten Kapitalisten in ihren Handwerksbetrieben und Minifabriken 6,5 Millionen Italiener. "Zwanzig Jahre lang haben wir uns zugunsten einer Ausbreitung der Staatswirtschaft eingesetzt. Jetzt sehen wir, daß wir damit nur für eine Machtausbreitung der christlich-demokratischen Klientelwirtschaft gearbeitet haben", erklärte dazu Georgia Amendola. Amendola ist Mitglied der Parteidirektion und gehört zum engsten Führungskreis der italienischen KP. Unter Eingeweihten ist bekannt, daß Amendolas Auffassung von der Mehrheit der Partei unterstützt wird.

In seiner Schlußansprache auf dem Mailänder Unternehmerkongreß wurde Amendola gar noch deutlicher, als er proklamierte, daß "die Kommunisten der Einzelinitiative sowie der kleinen und mittleren Privatindustrie eine unersetzliche Funktion auch in einer sozialistischen Wirtschaft" zusprechen. Freilich unter dem Vorbehalt, daß diese Wirtschaft "industriell fortgeschritten und differenziert ist wie in Italien".

Daß dies keine Lippenbekenntnisse sind, machte Eugenio Peggio deutlich, ebenfalls Mitglied der KPI-Parteidirektion. Der in Wirtschaftsfragen spezialisierte Peggio zog freilich auch die Grenzen, die diese neue Politik hat: "Es handelt sich nicht darum, den Wirtschaftsdoktrinen von Carlo Marx den Rücken zu kehren, sondern darum, in der gegenwärtigen italienischen Situation eine weitere Ausbreitung des Parasitentums und der Ineffizienz zu verhindern, indem die unternehmerische Lebenskraft bewahrt wird."

Die KPI-Leitung sucht demnach die kleinen und mittleren Unternehmer als zeitlich befristete Verbündete, um mit ihnen gemeinsam die italienische Wirtschaftskrise zu bekämpfen. Sie fürchtet offenbar, daß Italien aus dem Teufelskreis – Bürokratisierung und Mißwirtschaft – Streiks – – Kosteninflation – Ausweitung der Staatswirtschaft – Verminderung der Investitionen – nicht mehr herauskommt, solange der offene Konflikt zwischen Gewerkschaften und Unternehmern andauert.