Von Heinz-Günter Kemmer

Die Aktionäre der amerikanischen Bergwerksgesellschaft Appalachian Resources Company (ARC) machen in diesen Tagen Kasse. Bis zum 18. November, 17 Uhr New Yorker Zeit, haben sie Gelegenheit, jeden ihrer Anteilscheine in eine Zehn-Dollar-Note zu wechseln – so viel bietet ihnen die Ruhrkohle-Stinnes-Corporation, New York, für ihre Aktien oder ihre Anrechtscheine auf den Bezug neuer Aktien.

Zwar werden die Kassen am Montag kommender Woche noch nicht endgültig geschlossen – eine Verlängerung der Umtauschfrist ist im zehnseitigen Prospektbereits vorgesehen. Bei der Ruhrkohle AG in Essen und der Hugo Stinnes AG in Mülheim/Ruhr glaubt man aber fest daran, die Appalachian bis zu diesem Zeitpunkt im Griff zu haben.

Denn die ARC-Verwaltung hat den Appalachian-Aktionären den Umtausch warm empfohlen, und eine Gruppe von Aktionären, die 26 Prozent des Kapitals hält, hat schon im voraus ihre Verkaufsbereitschaft schriftlich zugesichert. Weiterer zehn Prozent glaubt sich das deutsche Käuferteam sicher. Und dieses gute Drittel der ARC-Anteile, das schon so gut wie gekauft ist, wird auch Dritte von dem Versuch abschrecken, mit einem besseren Gegenangebot die deutschen Interessenten auszustechen.

So werden die Ruhrkohle und die Veba-Tochter Hugo Stinnes wohl für einen Betrag von umgerechnet 17 Millionen Mark Eigentümer einer Grubengesellschaft werden, die in Westvirginia und Kentucky fünf Zechen mit einer Jahresförderung von gegenwärtig einer Million Tonnen betreibt.

Aufgerissen hat das Geschäft die Hugo Stinnes AG, die seit mehr als sechs Jahren Kunde der Appalachian ist. Dieses weltweite Handelshaus, das jährlich Güter im Wert von zwei Milliarden Mark umsetzt, die nie die Bundesrepublik berühren, ist Deutschlands größter Kohlenhändler und überdies im Weltmarkt für Kohle zu Hause. Auf der Suche nach neuen Lieferanten kam Stinnes auch auf die ARC, und Amerikaner und Deutsche fanden Gefallen aneinander.

Niemand weiß heute mehr so recht zu sagen, wann zum ersten Male von Verkauf die Rede war. Dr. Hans Georg Willers, Vorstandsmitglied der Hugo Stinnes AG und einer der Väter, des Geschäftes: "Das hat sich im Laufe der Jahre so ergeben und ist dann immer konkreter geworden." Eine dramatische Zuspitzung der Verhandlungen mit endgültiger Lösung und anschließendem rauschenden Fest hat es jedenfalls nicht gegeben.