Am 16. November um 18 Uhr läuft für Hans Gerling die Galgenfrist ab. Bis dahin muß er die Erklärung über die Errichtung eines Hilfsfonds und seinen Beitrag dazu in Höhe von rund 200 Millionen Mark abgegeben haben. Erst diese Erklärung macht den Vergleichsvorschlag für die Herstatt-Bank möglich. Der Ablauf der Verhandlungen zwischen den Vertretern des Gläubigerbeirats, des Liquidators und des Vergleichsverwalters der Bank einerseits und Beauftragten von Hans Gerling andererseits, die Anfang dieser Woche begonnen haben, berechtigten zu der Hoffnung, daß Gerling seinen Beitrag zum Vergleich letztlich doch nicht verweigern wird.

Damit wird das bisher Undenkbare Wirklichkeit. Ein Bankenkonsortium wird die Hälfte der Anteilsrechte am Gerling-Versicherungskonzern übernehmen und dafür 200 Millionen Mark bezahlen. Ein potenter Partner zöge auf diese Weise in den Versicherungskonzern ein, der, wenn das Finassieren Gerlings noch länger gedauert hätte, auch mit in den Strudel der Vertrauenskrise geraten wäre. Hans Gerling soll darüber unzufrieden sein, daß der potente Partner kein Versicherer ist. Vielleicht holt er im letzten Augenblick noch einen ausländischen Versicherer als Teilhaber in den Konzern?

Wer immer in Zukunft im Konzern mitreden wird – fest steht, daß Gerling so viel zahlen wird, daß die privaten Gläubiger 65, die Kommunen und ausländischen Banken 55 und die inländischen Kreditinstitute 45 Prozent ihrer Forderungen bekommen können. Nach langem Zieren wird Hans Gerling damit für die Herstatt-Gläubiger und die Glaubwürdigkeit unserer Wirtschaftsordnung mehr leisten, als das Gesetz befiehlt. R. H.