Die Absicht der Mineralölkonzerne, höhere Heizölpreise durchzusetzen, scheitert vorerst am Verbraucher.

Die Deutsche Shell startete den Versuchsballon. Um durchschnittlich eine Mark pro 100 Liter setzte sie in der vergangenen Woche den Preis für leichtes Heizöl herauf. Die anderen Anbieter auf dem deutschen Markt folgten wenige Tage später. Ob sich ihre Hoffnungen auf höhere Verkaufspreise jedoch noch vor der Jahreswende erfüllen, ist zweifelhaft.

Die Voraussetzungen dafür sind noch ungünstiger als zur Mitte des Jahres: Die privaten Haushalte, die am gesamten Heizölverbrauch von 52 Millionen Tonnen im vergangenen Jahr etwa zur Hälfte beteiligt sind, haben ihre Vorräte schon während des Sommers ergänzt. Auf einem beruhigenden Polster von durchschnittlich dreiviertelvollen Tanks können sie getrost dem Winter entgegensehen. Großverbrauchern ordern mangels Lagerkapazität nur ihren kurzfristigen Bedarf, weil sie sich scheuen, Kapital durch Lagerhaltung zu binden. Nach dem Ende Oktober verabschiedeten dritten Verstromungsgesetz ist der Neubau von ölbetriebenen Kraftwerken zudem nur noch in begründeten Ausnahmefällen zugelassen.

Auf die Notwendigkeit höherer Verkaufspreise weisen die Mineralölkonzerne indes schon seit vielen Monaten hin. Erst eine Heraufsetzung des Heizölpreises um etwa fünf Pfennig je Liter werde den deutschen Mineralölgesellschaften volle Kostendeckung bringen, meinte Claus Groth, Geschäftsführer der Deutschen Chevron, im vergangenen Monat. Shell-Chef Johannes C. Welbergen vertrat im September die Ansicht, daß durchschnittliche Preisanhebungen von 3,4 Pfennig je Liter für alle Mineralölprodukte benötigt würden.

In der Klemme zwischen rückläufigem Heizölabsatz – in den ersten neun Monaten dieses Jahres 15 Prozent unter dem vergleichbaren Vorjahresstand – und steigenden Kosten hatten die Mineralölanbieter schon mehrmals vergeblich versucht, höhere Preise am Markt durchzusetzen.

Anfang April rutschten die Heizölpreise, weil die Verbraucher bei sommerlichen Temperaturen im Frühjahr und nur halbgefüllten Tanks nicht zum Kaufen zu bewegen waren. Als daraufhin die Konzerne Mitte April die Benzinpreise um ein bis zwei Pfennig anhoben, reagierte das Berliner Kartellamt mit einstweiligen Verfügungen. Die Argumente der Konzerne, sie könnten wegen des Preisverfalls bei leichtem Heizöl mit den Durchschnittserlösen aller Ölprodukte nur noch knapp die Rohöleinstandskosten decken, nicht aber die Verarbeitungs- und Vertriebskosten, verfing bei den Wettbewerbswächtern nicht.

Auch bei der neuen Preisrunde machen die Verbraucher nicht mit. Sie kaufen lieber modische Textilien und Schuhe, anstatt ihr Geld für Heizöl auszugeben. Die Einzelhändler profitieren von der wiedererwachten Kauflust der Konsumenten. Zudem steht Weihnachten, das Fest der Geschenke, vor der Tür.