Über den neuen Ersten Mann in der Regierung gibt es jetzt ein Bilderbuch. Es zerfällt in drei Teile. Im ersten schreibt Ulrich Blank über "die Wegmarken. einer Kanzlerschaft", im mittleren, stärksten Teil, sind 132 Photos abgedruckt und im letzten Teil findet sich "ein politischer Werdegang in Dokumenten":

Ulrich Blank/Jupp Darchinger: "Helmut Schmidt. Bundeskanzler"; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1974; 141 S. mit 132 Photos, 32,– DM.

Politik und ihre Akteure in Bildbänden – das gibt es bei uns nicht gerade häufig. Die Photos aus der Welt der Politiker werden üblicherweise als kurzlebige Bilder gehandelt: Im Fernsehen, in den Tages- und Wochenzeitungen. Leider gerät dort allzuoft in Vergessenheit, daß es außerhalb der "Paßphotos" und dem ewig gleichen Händedruck auch noch so etwas wie Atmosphäre gibt, der Raum, in dem das politische Geschäft stattfindet. Dies darzustellen, ist der Reiz für den photographierenden Chronisten.

Einer von ihnen, noch dazu von jener Handvoll, die es auch wirklich können, hat die Bilder für diesen Band geliefert: J. H. Darchinger. Einhundertzwölf der ausgezeichneten Photos stammen von ihm, die restlichen zwanzig teilen sich in biographisch notwendige Abbildungen (etwa Hamburger Flut 1962) und ärgerliche (etwa die drei Waffengattungen der Bundeswehr). Letztere deshalb ärgerlich, weil sie als langweilige Postkartenphotographien Fremdkörper in diesem Buch bleiben.

Eine Reihe der Bilder wurden extra für diesen Band gemacht, darunter Photos, die einen Helmut Schmidt zeigen, wie ihn vordem kein Zeitungsleser und Fernsehzuschauer kannte: Entspannt am Brahmsee bei Hamburg, Diese Bilder hätte man gern größer gesehen, doch sie wurden, bis auf drei, als "Briefmarken" verschenkt. Da haben die Buchmacher nicht aufgepaßt. Leider gilt das auch für das Layout der vielen Doppelseiten, die naturgemäß alle in der Mitte einen Falz haben. Es ist eine scheinbar nicht auszurottende Unart, Photos so anzuordnen, daß der Mittelfalz genau durch bildwichtige Stellen geht. Bei gebundenen Büchern, die sich ja nie ganz glatt aufklappen lassen, führt das dann zu grotesken Bildverstümmelungen – im vorliegenden Band gut zu studieren. Sicher, die meisten Bilder liegen im Querformat vor. Aber dann hätte man ein querformatiges Buch machen sollen, das wäre den Photos besser bekommen. So wirkt alles ein bißchen hastig gemacht, als ob der Band um jeden Preis (auch um den möglicher Korrekturen) zur Buchmesse fertig werden sollte. Schade – das gute Buch wäre noch besser. Norbert Denkel