Wegen Verdachts nachrichtendienstlicher Tätigkeit ist der Leiter der parlamentarischen Verbindungsstelle des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der 56jährige Walter Böhm, festgenommen worden. Ein Sprecher des DGB-Vorstandes erklärte am Dienstag, Böhm sei am Vortag fristlos entlassen und aus dem DGB ausgeschlossen worden. Im DGB habe man bereits seit längerer Zeit vermutet, daß Böhm Spionage treibe. Hinweise zur Festnahme seien auch vom DGB-Vorstand gekommen. Böhm vertrat den Vorstand in Bonn seit 1971.

Trotzdem wurde Böhm am Mittwoch wieder auf freien Fuß gesetzt. Die vom Verfassungsschutz vorgebrachten Verdachtsgründe reichten nicht aus für einen Haftbefehl.

Böhm stammt aus Zittau in Sachsen. Er ist 1958 in die Bundesrepublik gekommen, war 1962 Chefredakteur der Zeitschrift "Sozialer Fortschritt", von 1963 bis 1965 Mitglied der DGB-Pressestelle in Düsseldorf, später Mitarbeiter des SPD-Organs "Vorwärts". Für die Friedrich-Ebert-Stiftung war Böhm gewerkschaftlicher Berater für Indonesien.