"Zwischen den Feuern", von Gail Graham. Solche Themen waren immer schon unbequem: ein Soldat, der zwischen die Fronten gerät, erschöpft oder verwundet; der Kinder trifft, von denen er die Sprache nicht versteht, von denen er nicht weiß, ob sie nicht zum Feind halten und ihn ans Messer liefern. Und so etwas noch Kindern erzählen?

Kinder und Krieg? Das bedeutete allemal, daß die Erwachsenen zugeben mußten, sie seien zu ungleich größeren und selbstmörderischen Streitigkeiten und Dummheiten fähig als die "schlimmsten" Kinder. Wer gäbe so etwas schon gerne zu ... Die amerikanische Autorin, die Vietnam aus eigenem Augenschein kennenlernte, schlägt keine Haken und Bogen. Ihr Buch "Cross Fire" erschien englisch schon 1972. Im Rückblick auf das mörderische Treiben und die zweifelhafte Rolle der USA im mehr als 30jährigen Krieg um Indochina/Vietnam gehört es zu einer Kategorie von Titeln, für die der Sammelbegriff "ungemütlich" eher verharmlosend anmutet. Ein amerikanischer Soldat wird versprengt und trifft auf eine Gruppe überlebender Kinder aus einem Dorf, das durch amerikanische Truppen und Bombenwürfe vernichtet wurde. Die naturnotwendigen Spannungen prägen das Buch, dessen Sprachlosigkeit und den Entwurf des bösen Endes. Die Autorin macht keine Konzessionen, beschönigt nichts. (Otto Maier, Ravensburg; 128 S., 12,80 DM)

"Rebellen am Red River", von Kurt Lütgen. Vorurteile und ihre Oberwindung sind nicht erst in den letzten Jahren erfaßt worden. Andere und "fremde" Rassen wurden von ihnen betroffen, und am übelsten waren immer die "Mischlinge" dran. Die Metis, Mischlinge zwischen französischen Siedlern, Fallenstellern, Spurenlesern und Indianern, sind bisher mit ihrem tragischen Schicksal kaum in unser Bewußtsein gerückt. Vor Generationen gerieten sie mit den Normen und Vorstellungen einer "weißen" Übermacht in Kanada in Konflikte. Am Ende standen nach schweigend erlittenen Demütigungen Aufruhr, Krieg und Vernichtung der Aufsässigen. Kurt Lütgen stieß bei den Studien und Arbeiten zum Preisbuch "Das Rätsel Nordwestpassage" auf. das Schicksal von Louis Riel, einem Metis-Führer, der wegen seiner Versuche, seinem Volk Unabhängigkeit innerhalb des kanadischen Dominiums zu schaffen, abgeurteilt und gehängt wurde. Das Leben jenes frühen "Chaoten" zwischen den Rassen vor dem Hintergrund übermächtiger wirtschaftlicher und politischer Interessen wurde als gesellschaftspolitisches Lehrstück für die Gegenwart inszeniert. (Arena, Würzburg; 264 S., 16,80 DM)

"Salomon 76. Verschwörung im Weltraum", von Mark Brandis. Science-fiction-Abenteuer für Leser ab 12 bis 13 Jahren haben sich in der Bundesrepublik vornehmlich im Umkreis trivialer Comics etablieren können, kaum in Buchform. Mark Brandis (ein Pseudonym) setzt auf eine andere, bei weitem bessere Alternative: Er läßt die Leser in einer Folge, die inzwischen auf zehn Bände angewachsen ist, am Entstehen einer neuen Welt der Zeit nach 2000 teilnehmen. An die Stelle übermächtiger Heroen setzt er ein Team von Spezialisten. Den Sonden, Kapseln und Weltraumkreuzern widmen die Raumpiloten ein größeres Maß an. Zärtlichkeit und menschlicher Zuwendung als Erdgeborenen Geschöpfen – zum Beispiel Frauen. Die Schwierigkeiten hier: Ein Riesen-Computer will ewige und absolute Gerechtigkeit spenden, für immer Recht und Ordnung einziehen lassen.– doch er wird für Machtgier und menschengefährdende Herrschsucht mißbraucht. So muß sich Mark Brandis ins All schwingen, begleitet von seinen Gefährten, um dem Treiben ein Ende zu setzen. Erfolg muß er haben – kommendes Frühjahr soll ja der nächste Band erscheinen. (Herder, Freiburg; 192 S., 12,80 DM) H. K.