ARD, Sonntag, 10. November: "Psi", Berichte über Unerklärliches, Sendereihe von Jörg Dattier

Daß es viel Unerklärliches in dieser Welt gibt – wer wollte es bestreiten? Doch was Jörg Dattier und Psi-Professor Hans Bender in ihrer ersten Sendung der dem Unerklärlichen gewidmeten Folge "Psi" präsentierten, ist so unerklärlich nicht.

Man nehme bei absoluter Ruhe ein Tonband auf und spiele es nachher bei voll aufgedrehter Lautstärkeregelung ab. Mit recht großer Wahrscheinlichkeit wird man dann im Rauschen kaum deutbare Fetzen von Musik, Morsesignalen oder Gesprächen vernehmen. Der Grund: Unsere Umwelt ist mit Radiosignalen von unzähligen Funkdiensten und Rundfunkstationen angefüllt, und ein Tonbandgerät, auch ein sehr gutes, ist stets ein – miserabler – Radioempfänger, einer, der mangels Selektivität einen ganzen "Wellensalat" aufzunehmen vermag, wenn auch nur äußerst schwach.

Solch diesseitige Erklärung des seit Erfindung des Magnetophongeräts bekannten Phänomens zogen die Akteure der Psi-Schau gar nicht erst in Betracht. Ihnen ging es ums Übersinnliche; also diskutierten sie über die Frage, ob Tonband-Einspielungen "animistisch" (damit war hier "psychokinetisch" gemeint) oder "spiritistisch" (als Stimmen Verstorbener) zu verstehen seien. Man war unter sich und konnte nach Herzenslust spintisieren.

Ein wenig lustig war eine Einstellung, bei der erwachsene Männer im Kreis beisammensaßen und sich auf den Finger bissen. Ohne Komik war auch der Schweizer Pfarrer nicht, der, von Spukgläubigen umringt, den Ort im All zu fixieren suchte, wo sich alles Bewußtsein sammelt, von dannen die Geisterstimmen der Toten zu uns kommen – "wahrscheinlich mit einer einfachen Elektronik".

Der Rest der immerhin eineinhalb Stunden währenden Sendung jedoch war langweilig, zuweilen unverständlich und keineswegs überzeugend. Als schließlich der Zuschauer quasi live eine Einspielung erleben sollte – der Schwede Jürgenson nahm zu diesem Zweck "weißes Rauschen" von einem Rundfunkband auf –, kam dabei nichts anderes heraus als ein kurzes Stückchen Pop-Gesang von irgendeiner entfernten Rundfunkstation.

Doch Bender und die Seinen im Geiste interpretierten allerlei Wundersames in diese alltägliche Erscheinung, womit sie ungewollt deutlich werden ließen, wie leicht sich jemand ins Phantastische versteigen kann, wenn er vom Glauben an das Übersinnliche beseelt ist.