In Argentinien steigert sich der Terror. Präsidentin Isabel Perón verhängte für unbestimmte Zeit den Ausnahmezustand über das Land. Die Präsidentin und die Regierung seien "mit ihrer Geduld am Ende", lief Innenminister Rocamora wissen. Die Grausamkeit der Extremisten übersteige die Grenzen des ideologischen Kampfes.

Der Regierung ist nun gestattet, Verdächtige ohne richterlich: Genehmigung inhaftieren zu lassen oder sie in entlegene Landesteile zu verbannet. Versammlungen sind verboten.

Die erhoffte innere Ruhe war kurz. Schon Peróns triumphale Rückkehr im Juni 1973 nach 18jährigen Exil war von blutigen Zusammenstößen zwischen seinen linken und rechten Anhängern begleitet. Perón, bereits gesundheitlich geschwächt, hatte den Staat von Anbeginn nicht mehr in den Griff bekommen. Sein Tod am 1. Juli öffnete nach kurzer Pietätspause vollends die Schleusen der Gewalt. Seitdem erschüttert ein hemmungsloser Kampf um Macht und Vorherrschaft das auch wirtschaftlich arg bedrängte Land.

Der rechte Peronismus, der heute in der Regierung dominiert, ist dabei, die Oberhand über den linken zu gewinnen. Dieser war zwar schon unter der Herrschaft des 71jährigen Präsidenten politisch zurückgedrängt worden; jetzt aber wird er gnadenlos von Terroristen verfolgt. "Ultrarechts" verkörpert sich in einer kaltblütig mordenden Extremistentruppe mit dem Firmenzeichen AAA (Argentinische Antikommunistische Allianz).

Auf der Gegenseite stehen, nicht weniger brutal, aber nicht ganz so "effektiv", die "Montaneros", eine bewaffnete peronisrische Jugendbewegung. Sie verficht einen sozialreformerischen Nationalismus, sieht aber diese Ziele unter Peróns Witwe und ihrem engen Berater Lopez Rega zu Gunsten des Großkapitals und der Agraroligarchie aufgegeben.

Die Machtkämpfe könnten jenes Ergebnis zeitigen, das Frau Perón Ende September als Menetekel den Linksextremisten (einseitig) vor Augen hielt: Einen Armee-Putsch.