ZEIT: Auf den ersten Blick steht die Opposition jetzt glänzend da. Sie hat in allen Wahlen dieses Jahres Siege errungen. Der Bundeskanzler regiert, wie Sie sagen, an seiner Partei vorbei und macht die Politik der Opposition. In der Tat ist nirgendwo eine eindeutige Alternative der Opposition zu erkennen. Macht der Bundeskanzler nicht nur seine eigene Partei, sondern auch die Opposition überflüssig?

Biedenkopf: Die Opposition ist nie überflüssig; sie ist die politische Alternative zur Regierung. Daß Bundeskanzler Schmidt in wichtigen Bereichen der Konjunkturpolitik heute auch Oppositionspolitik macht, ist auf die Politik der Opposition zurückzuführen. Die Opposition wird von der Bevölkerung – wie die Landtagswahlen Steigen – als die politische Alternative zur SPD/FDP-Koalition verstanden, und so wird sie auch in den Bundestagswahlkampf 1976 gehen.

ZEIT: Helmut Schmidt hat in seinem Interview mit der ZEIT erklärt, er sehe im Ergebnis der Landtagswahlen keinerlei Präjudiz für den Ausgang der Bundestagswahl 1976. In der Tat hat die Bundestagsopposition in den letzten 25 Jahren bei Landtagswahlen oft Zwischensiege errungen und hinterher im Bund doch verloren.

Biedenkopf: Helmut Schmidt hätte sicher eine andere Auffassung vertreten, wenn die SPD in Hessen und Bayern die Landtagswahlen gewonnen hätte. Gewiß haben auch frühere Bundesregierungen in Landtagswahlen Rückschläge erlitten, aber sie waren viel geringer und wurden durch andere Landtagswahlen ausgeglichen. Eine so eindeutige Tendenz gegen die Regierungskoalition in Bonn wie jetzt in allen Landtags- und Kommunalwahlen hat es bisher noch nicht gegeben.

ZEIT: Opposition als Alternative – schon im personellen Bereich ist sie nicht sichtbar; die CDU hat bis zur Stunde niemanden, den sie Helmut Schmidt entgegenstellt.

Biedenkopf: Die Führung der Union bietet durchaus Alternativen. Sie haben sich in den bisherigen Wahlkämpfen hervorragend bewährt.

ZEIT: Am besten geschlagen hat sich Franz Josef Strauß. Wird der Erfolgreichste 1976 auf Platz eins stehen?