Ein kauziger Brite will den Verfall englischer Biertrinksitten aufhalten. Geldgeber unterstützen ihn dabei.

Sorge um britisches Bier und britische Lebensart veranlaßten den 27jährigen Christopher Hutt vor, zwei Jahren zur Gründung der Campaign for Real gen (Camra). Die Initiative des ehemaligen Automobilverkäufers traf auf das Interesse vieler Biertrinker, denen das Einheitsbier der großen Braukonzerne schon lange nicht mehr schmeckte, und von Advokaten des Mittelstandes, welche die Tugenden des Familienbetriebs verteidigten Denn sechs Konzerne beherrschen über 70 Prozent des britischen Biermarkts.

Camra zählt inzwischen 26 500 Mitglieder in 75 Ortsgruppen. Die Zecher, erkennbar an ihrer Vereinskrawatte, versammeln sich wenigstens einmal im Monat zu Abenden mit real Ale. Sie ermuntern die noch existierenden wenigen Familienbrauereien zum Durchhalten und stemmen sich vehement gegen Rationalisierungsbestrebungen der Großbrauereien.

Nun haben die Biertraditionalisten die Camra Real Ale Investments Ltd. gegründet, und Geschäftsführer Hutt fordert alle Mitglieder und das geldanlegende Publikum auf, "to put their money where their mouth is". (In Deutschland würde man sagen: "Das Geld mit Saufen zu verdienen.") Mit der Aktienemission sollen 1,5 Millionen Mark aufgebracht werden. Die Firma plant den Erwerb von Pubs, in denen die soziale Atmosphäre dieser britischen Institution, die alten Biere und Trinksitten hochgehalten werden, die Klassenschranke zwischen der Saloon Bar und der weniger feinen Public Bar aufrechterhalten wird, vor allem aber ein Faßbier ausgeschenkt wird, das im Prospekt beschrieben wird als "lebendiges Bier, gelagert und gezapft in natürlichen Bedingungen ohne fremde Kohlensäure".

Hütt will sich mit seiner Initiative gegen den Verfall der Biertrinkgewohnheiten stemmen. Ihm schmeckt nicht nur, daß das Bier aus den Superbraustätten "schwächer, dünner und schlechter" wird. Er sieht auch den "Tor des englischen Pubs" (so der Titel des von ihm verfaßten kontroversen Buchs) voraus, denn die Großbrauereien würden traditionelle Pubs zu nüchternen Trinkstätten machen.

Hütt, der als Vorsitzenden seiner Gesellschaft den Vorsitzenden Unterhaus-Abgeordneten Nicholas Winterton gewonnen hat, sieht die Investition als durchaus gewinnbringende Geldanlage. Er gibt jedoch zu, daß als Zeichner wohl hauptsächlich die Camia-Mitglieder in Frage kommen, denen der Idealismus einen Diskont auf die anderswo erzielbare Rendite wert ist. wk