Von Wolfram Runkel

Die Bären kommen nachts. Schließen Sie die Tür im Stahlgitter Ihres Käfigs fest und gut zu. Die Schwarzbären sind eigentlich, so sagt der Ranger, ungefährlich. "Sie kommen nur, wenn sie Hunger haben, und dann gehen sie nur an den Rucksack, sie wollen Ihr Essen."

Unser Essen sollte aber vierzehn Tage reichen. Vierzehn Tage wollten wir durch die wilden, einsamen Wälder der Smoky Mountains in Tennessee wandern. Hiking: Ausflippen aus der Welt des Geschäfts und der Geschäfte, der Jobs und Shops, weg von Pollution und Plastik. Ohne Geld und ohne Gift – und eintauchen in eine Welt, wie sie vor tausend Jahren war. Vierzehn Tage unabhängig, vierzehn Tage mit der Natur allein, allein mit Bäumen, Blumen, Bächen, mit Beeren und Bären. Allein? Hiker-Papst Colin Fletscher empfiehlt zwar in seinem Buch "The Complete Walker" für "wirkliches Hiking" das absolute Alleinsein, das Wandern ohne Begleiter, "anderenfalls verpassen Sie das Wichtigste", aber ich hatte trotzdem einen Kumpel, amerikanisch und weiblich; selbst Colin Fletscher akzeptiert dies unter gewissen Umständen.

Die Bären kommen im Zweifel also nachts, deshalb haben die Amerikaner mit staatlichen und Rockefeller-Geldern auf dem berühmten Appalachian Trail, einem Wanderpfad auf dem Grat des Appalachiangebirges, Lean-Toes eingerichtet: überdachte Eisengitterkäfige, in denen sich die Wanderer vor den Bären schützen.

Die Bären kamen nicht nachts. Sie kamen auch nicht tags. ("Was machen wir, wenn plötzlich ein Bär auf dem Trail steht?" Der Ranger: "Am besten ignorieren!")

Nun, die Ignorierten waren wir. Wir trafen nie einen Bären. Hörten lediglich zweimal Geräusche, Knacken, nein, Umwerfen von Bäumen, sahen Spuren, und einmal trat ich voll in einen saftigen Haufen, den ich für Erde gehalten hatte: Bärenlosung.

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