Im Frühjahr 1710 brachten englische Offiziere vier Irokesenhäuptlinge von Nordamerika nach London, zu einem Staatsbesuch".

So lakonisch fängt das neue Buch an von –

Dieter Kühn: "Festspiel für Rothäute"; Suhrkamp Verlag, Frankfurt, 1974; 98 S., 14,–DM

und schon anderthalb Seiten später ist die Überfahrt der vier Indianer, von der Neuen in die Alte Welt, zu Ende erzählt. Exposition wäre ein viel zu pompöses Wort für diesen wortkargen Anfang – und doch sind diese anderthalb Seiten die schönsten und reichsten des ganzen Buches. Vier Indianer, in eine Schiffskajüte verfrachtet, unterwegs in eine ihnen unbegreifliche Welt:

Häuptling John in einem Buch mit Kupferstichen blätternd;

Häuptling Etoh meditierend ("Etoh kaut, ohne etwas zu schlucken, höchstens Speichel, gelegentlich, und kauend hat er seinen Blick auf einen Punkt fixiert, der sehr weit außerhalb der etwa fünf Schritt langen, vier Schritt tiefen und knapp kopfhohen Kajüte zu liegen scheint");

Häuptling Hendrick, Pfeife rauchend und Pfeifenköpfe schnitzend;