Von Rüdiger Löwe

Trotz eines reichen und qualifizierten Angebotes deutscher Untersuchungen zu Einzelaspekten amerikanischer Politik mußte der an einer zusammenfassenden, aktuellen Darstellung interessierte Leser in den letzten Jahren stets auf amerikanische Literatur zurückgreifen; deutsche Standardwerke und Einführungen stammen aus den Jahren 1959 bis 1965.

Um so erfreulicher ist, daß jetzt zwei junge Wissenschaftler der Freien Universität Berlin den Versuch unternahmen, diese bundesdeutsche Marktlücke auszufüllen:

Hans J. Kleinsteuber: "Die USA – Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Eine Einführung"; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1974; 250 S., 28,– DM.

Karl Heinz Pütz: "Die Außenpolitik der USA. Eine Einführung"; Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1974; 248 S., 29,50 DM.

Ihre Studien ergänzen sich bewußt, sie sind lebendig und praxisorientiert geschrieben, aber sie unterscheiden sich in ihrem Engagement. Kleinsteubers Anliegen ist es, "einführende Informationen zum Verständnis des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systems der Vereinigten Staaten ..." zu geben. Dieses Buch ist nützlich, weil es tatsächlich ausgewogene Hintergrund-Informationen und Analysen bietet und somit zum besseren Verständnis aktuellen Geschehens beiträgt, das häufig genug auch die Bundesrepublik berührt.

Der Autor, ein 31jähriger Politologe, sieht die Dinge erfrischend nüchtern; nörglerische Kritik gegenüber den USA ist Kleinsteuber fremd, ja er räumt ein, daß man in weiten Bereichen von den USA lernen könne – etwa im Sinne der Dahrendorf sehen Fragestellung: "Ist die amerikanische Gesellschaft Europas Zukunft?"