Die Ausstellungen von André Thomkins in Hannover und Saul Steinberg in Köln

Von Petra Kipphoff

Saul Steinberg schreibt: "Ich betrachte gern die wunderbaren Wolken. Ich sehe welche, die mit dem Pastellstift gemacht sind, welche, die aquarelliert sind, manchmal ist eine ganze Ausstellung verschiedener Stile am Himmel zu sehen ... die Wolken der venezianischen Maler, barocke Wolken, vermischt mit expressionistischen Wolken, die mit Tintenflecken gemacht sind, dann Wolkenplastik, die Wolken von Brancusi, vollkommene, fromme Wolken, und damit manchmal schlechte Wolken, schlecht gezeichnete, von der Natur schlecht gemachte."

André Thomkins zeichnet eine Serie von neun Blättern, "Nach Böcklin": Felsbrocken verwandeln sich in eine Frauenfrisur, eine Frauenfrisur in eine Baumkrone, Steine türmen sich zu einem Busen, Landschaft im Detail addiert sich von ferne zu einer Physiognomie, die Einzelteile einer Physiognomie machen sich bei näherem Zusehen selbständig als Bestandteile einer Naturszene.

Saul Steinberg zeichnet einen Zeichner, der Teil einer Zeichnung ist, die über den Zeichentisch hinauswächst ("Calligraphy IV").

André Thomkins hat für seinen Freund, den programmierten Farbfeldverschieber Karl Gerstner, ein Anagramm gemacht aus den Worten "Programme entwerfen". Die 18 Buchstaben hat Thomkins in einem Quadrat 18mal so systematisch durcheinandergebracht, daß sich daraus so ungewohnte Dinge ergeben wie: Reformweg permanent, Enormer Wertempfang, Tropf wem Meer gerann, Empor werft Germanen, Ware per Mengenformat, Menge warmer Tropfen, Rennopfer rammte Weg, und so weiter. Der Titel des Anagramms: Per Meer wogt man fern.

Saul Steinberg, André Thomkins: am Anfang war der Schein, am Ende ist das Labyrinth, und der Ariadnefaden taugt nicht mehr für die Nachgeborenen.