In seinem dramatischen Appell von Chikago hat Henry Kissinger versucht, den Westen mit Woodrow Wilsons Optimismus aufzumöbeln: "Die großartigste und beste Art von Effizienz wird dann erreicht, wenn freie Völker spontan zusammenarbeiten." Das ist ein schönes Wort aus besseren Zeiten. Von Spontaneität kann angesichts des konzeptionslosen Zauderns, mit dem die westlichen Industrieländer auf die Ölkrise samt Folgen reagierten, schon lange nicht mehr die Rede sein. Auch mit der Zusammenarbeit ist es nicht weit her. Das ist jetzt aufs neue klargeworden. Kissinger möchte, daß sich die Verbraucher einigen, bevor sie mit den Ölproduzenten verhandeln. Giscard hingegen plädiert für eine baldige Konferenz der Industriestaaten, der Ölländer und der Dritten Welt.

Kooperation oder Konfrontation – das ist letztlich die entscheidende Frage des Westens. Die Amerikaner plädieren für Härte gegenüber den Arabern. Die ölabhängigen, daher druckempfindlicheren Europäer setzen immer noch auf Zusammenarbeit mit den Ölscheichs. Ein konkretes Konzept gibt es freilich weder diesseits noch jenseits des Atlantiks.

Wird Kissingers Aufruf zu einer konzertierten Aktion und damit zu einer Stärkung des Westens führen?-Die Europäer stehen vor einer schweren Entscheidung, denn zur Überwindung der Energie- und Währungskrise brauchen sie beides: Amerikas Führung wie die Bereitschaft der Araber zur Zusammenarbeit mit den Industrienationen. D. B.