Marokko will ein Exportkartell für Phosphat aufbauen. Leidtragende wären vor allem Entwicklungsländer. Die Ölherren des Vorderen Orients haben wieder einmal gelehrige Schüler gefunden. Diesmal sind es die Phosphat-Länder, die ein Rohstoffkartell aufbauen wollen. In der peruanischen Hauptstadt Lima bekundeten kürzlich Marokko, Togo, Tunesien, Senegal und Spanien ihren festen Willen, ihre Interessen auf einen Nenner zu bringen und eine gemeinsame Exportstrategie zu beschließen. Das Ziel der konzertierten Aktion ist klar: höhere Preise.

Wie so etwas gemacht wird, das exerzierte vor einem Jahr das Königlich Marokkanische Büro für Phosphate vor. Es teilte seinen Kunden, vor allem europäischen Düngemittelfabriken, kurzerhand mit, man werde den schwer ersetzbaren Rohstoff künftig nur noch zum dreifachen Preis liefern. Wer zu diesen Bedingungen nicht kaufen wolle, der gehe eben leer aus.

Die Marokkaner können sich solche Töne leisten. Auf ihrem Gebiet liegt über die Hälfte der in aller Welt bekannten Phosphatvorräte, und sie sind einer der bedeutendsten Lieferanten auf den internationalen Märkten.

"Das Phosphat ist unser Erdöl", kann man heute schon in der Hauptstadt Rabat hören. Einige kleinere afrikanische Exportländer hüten sich, dem großen Bruder Marokko Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Sie ziehen es vor, ihre Preise ebenfalls heraufzusetzen. Denn mittlerweile hat Marokko seine Abnehmer weiter zur Kasse gebeten: Innerhalb von sechs Monaten wurden die Absatzpreise vervierfacht.

Diese Aktion ist vornehmlich gegen Europa gerichtet, das Phosphate fast ausschließlich aus Entwicklungsländern importiert und zu Düngemitteln, Waschpulver und Viehfutter verarbeitet. Doch ähnlich wie beim Ölkartell werden von künstlich hochgetriebenen Phosphatpreisen letztlich vor allem Entwicklungsländer betroffen. Sie müssen die teuren Düngemittel importieren, um ihre Landwirtschaft zu entwickeln und damit wieder Devisen zu verdienen.

Auch bei anderen Rohstoffen haben die Erzeugerländer in den vergangenen Monaten versucht, Exportkartelle aufzubauen und höhere Preise durchzusetzen. Das gilt zum Beispiel für Bauxit, Holz, Quecksilber und Kupfer. Die Erz-Exportländer, allen voran Mauretanien, wollen im Frühjahr zum Sammeln blasen. Ihr Trumpf: Die westeuropäischen Länder sind weitgehend auf Importe angewiesen. Sie müssen Zinn zu 95 Prozent einführen, Kupfer zu 87 Prozent, Blei zu 65 Prozent. smi