Mit dem Gewerkschaftsanschluß wurde der VS etwa ein Drittel seiner Mitglieder los. Der Gewerkschaft Kunst hätte er korporativ beitreten können; die IG Druck und Papier fordert die individuelle Beitrittserklärung. Etwa 900 der rund 2700 Mitglieder mochten sie nicht abgeben. In einem Landesverband, in Schleswig-Holstein, war sogar die Mehrheit gegen einen Gewerkschaftsbeitritt und lebt jetzt als eigener Verein fort; aus den der Gewerkschaft abgeneigten Kreisen des größten Landesverbands, Bayern, ging ein neuer bundesweiter Autorenverein hervor, der streng konservativ orientierte Freie Deutsche Autorenverband (FDA). Es fehlt nur noch die neue Organisation der Mitte. Die politische Homogenisierung des Schriftstellerverbands erfolgte um den Preis der Aufsplitterung und einer empfindlichen Schrumpfung.

Vier kurzfristige praktische Ziele hatte sich der VS gesetzt. Einmal eine Novellierung des Urheberrechts; sie wurde noch ohne Gewerkschaftshilfe durchgesetzt und sichert den Schriftstellern seit Anfang 1973 eine neue Einnahmequelle: die Bibliotheksabgabe, zehn Pfennig für jede Buchausleihe, jährlich rund 18 Millionen Mark, von denen die Hälfte in ein Autorenversorgungswerk (nicht nur für VS-Mitglieder) fließen, die andere

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Hälfte individuell ausgezahlt werden soll. Mehr als den Anspruch haben die Schriftsteller bis heute nicht von dieser Errungenschaft. Gezahlt wurde noch kein Pfennig. Man hatte versäumt, sich vorher Gedanken darüber zu machen, wie die Buchausleihen eigentlich ermittelt werden sollen und wer das Geld aufzubringen hätte. Daß es nicht von den in der Bundesrepublik grotesk unterdotierten Anschaffungsetats der Bibliotheken abgezogen werden dürfe (hierzulande werden etwa 40 Pfennig pro Kopf und Jahr für die Bibliotheken aufgewandt, in Schweden sind es über sechs, in Dänemark über 15 Mark), daß sich Bund und Länder die Last teilen werden, das zwar steht inzwischen fest. Aber wieviel der Bund und wieviel die Länder zahlen, ist bis heute strittig. Das Mindestangebot der Länder liegt bei 70, das Höchstangebot (Bayern) bei 90 Prozent. Sicher wird man sich auf eine Quote in der Mitte einigen. Die Frage ist nur: wann? Wenn es nämlich nicht mehr in diesem Jahr geschieht, wenn der Bibliotheksgroschen nicht in den allernächsten Wochen ausgezahlt wird, kann ihn kein Autor mehr dazu verwenden, sich noch in die gesetzliche Altersversicherung "einzukaufen". Was Bund und Länder bieten, sind jedoch nicht etwa die fälligen 18 Millionen im Jahr, sondern gerade die Hälfte. Als Erfolg läßt sich der Bibliotheksgroschen unter diesen Umständen bisher schlecht verbuchen; und wenn er eines Tages tatsächlich gezahlt werden sollte, wird er andere Scherereien noch und noch verursachen.

Das zweite Nahziel: die "freien", in der Mehrzahl aber von ihren Auftraggebern in den Verlagen, bei der Presse und den Sendeanstalten auf völlig ungeregelte Weise abhängigen Autoren sollten als arbeitnehmerähnliche Personen eingestuft und damit tariffähig werden. Das wurde im Juni dieses Jahres mit den Stimmen von Koalition und Opposition beschlossen; der Bundesrat verwies die Gesetzesvorlage jedoch erst einmal an den Vermittlungsausschuß zurück. Sie wartet jetzt auf eine neue Abstimmung im Bundestag. Die Regelung wäre tatsächlich ein Fortschritt; aber nun erkläre man einmal einem Haufen von Schriftstellern und der Öffentlichkeit, die Hauptleistung ihres so stolze Kongresse veranstaltenden Verbandes bestehe im künftigen Paragraphen 12a des Tarifvertragsgesetzes.

Das dritte Ziel: Autoren sollten von der Umsatz- beziehungsweise Mehrwertsteuer befreit werden, eben weil sie Arbeitnehmern ähnlicher seien als Unternehmern, weil sie abhängig seien von ihren Auftraggebern und Investitionen für Produktionsmittel bei ihnen nicht vorkämen. Die Befreiung von der Umsatzsteuer ist bisher nicht in Sicht. Die Bemühung darum beschränkt sich bisher auf die Auffassung des VS, daß sie eine "logische Folge" aus der neuen Tarifvertragsbestimmung wäre.

Das vierte Nahziel schließlich: Tarifabschlüsse mit den Sendeanstalten, Muster-Minimal-Verträge mit den Buchverlegern. Jene aber sind gar nicht Sache des VS, sondern der zuständigen Gruppe in der Gewerkschaft Kunst (der RFFU), diese kamen bisher nicht zustande, weil die Gegenseite, der Börsenverein des deutschen Buchhandels, sich noch nicht dazu durchringen konnte, sich als tariffähiger Unternehmerverband zu verstehen.