Um ein Dutzend Hühnereier den Nestern entnehmen können, müssen an die Legehennen zwei Kilogramm Körper, verfüttert werden. Drei Kilo Getreide sind für ein Pfund Schweinefleisch nötig, und bevor ein Pfund hochwertiges Rindfleisch als Steak auf den Grill gelangen kann, müssen zehn Kilogramm Futtergetreide in die Tröge geschüttet werden. Wenn die Amerikaner ihren Rindfleischkonsum um nur zehn Prozent einschränken würden, reichte das eingesparte Futtergetreide, um 60 Millionen Menschen damit ernähren zu können. Und beinahe satt würden Millionen Hungernder, wenn die Fetten und Übergewichtigen in den reichen Ländern nur so viel äßen, um an Geist und Körper fit zu bleiben.

Derlei Kalkulationen – zwar nicht neu – kamen in den letzten Wochen auf der Hungerkonferenz in Rom wieder einmal zur Sprache. Und abermals zeigte sich, daß die reichen fleischliebenden Nationen nur halbherzig die sich aufdrängenden Konsequenzen ihrer eigenen Statistiken auszuführen bereit sind: Debatten über fleischärmere Mahlzeiten wollen sie nicht führen.

Nun kündigt sich eine Lösung, an, die das Fleischnahrungsproblem entspannen konnte? Dem amerikanischen Tierzüchter J. D. Basolo aus Tracy (US-Staat Kalifornien) ist es gelungen, einen neuen Fleischlieferanten heranzuzüchten, dessen Fleisch so rot und saftig wie das eines Rindes ist und das noch zwei Vorteile hat: Es ist magerer und stammt von einem Tier, das nicht mit dem knappen Futtergetreide ernährt werden muß.

Die Neuzüchtung ist eine Kreuzung aus Rind und Büffel. Züchter Basolo taufte seine Zwitterschöpfung Beefalo. Letzte Woche hatte ein Beefalo-Exemplar mit dem stolzen Namen "Steve’s Pride" sein Fernsehdebüt und war Mittelpunkt einer anschließenden Pressekonferenz in New York.

Vor siebzehn Jahren hatte Basolo mit seinen Zuchtversuchen begonnen und in dieser Zeit insgesamt tausend Kreuzungsversuche ausgeführt. Allein zehn Jahre benötigte der kalifornische Züchter, um die Sterilität bei den Kühen (die er künstlich mit Büffelsamen befruchtete) zu durchbrechen. Daß Ei und Samenfaden sich, nicht verbinden, wenn es sich um verschiedenartige Tiere handelt, ist bei solchen Kreuzungen fast immer der Fall. Wie er bei der Beefalo-Züchtung diese natürliche Barriere dennoch überwand, hat Züchter Basolo noch nicht preisgegeben.

Immerhin gibt es mittlerweile in den USA zehntausend Beefalos, die zwar noch nicht auswichen, um in großem Stil eine Fleischwarenindustrie aufzuziehen. Doch schon im nächsten Jahr dürften etwa eine halbe Millionen Beefalo-Kälber geworfen werden – künstlich gezeugt durch Beefalo-Samen, den amerikanische Viehzüchter von Bäsolos Samenverkaufsfirma Beefalo East Inc. beziehen können.

Die angestrebte Halbmillionenzahl von Beefalos scheint nicht zu hoch gegriffen. Das Interesse der Züchter ist groß. Ein kanadischer Viehzuchtbetrieb erstand unlängst von Basolo ein einziges Beefalo-Exemplar zu einem Kaufpreis von 2,5 Millionen Dollar. Die gelbgrauen, kurzhaarigen und kurzbeinigen Zwitterviecher sind genügsam und kommen – Erbteil des Büffels – mit mageren Weidegründen aus. Zudem sind die Beefalo-Kühe, die stets künstlich befruchtet werden, ausgesprochen kalbfreudig, und sie wachsen schneller als das herkömmliche Rindvieh heran. So sind die Aufzuchtkosten bis zur Schlachtreife, nach den ersten Erfahrungen von Züchter Basolo, gegenüber herkömmlicher Rindermast bis zu 40 Prozent geringer – die Steaks werden billiger.