Verteidigungsminister Georg Leber meinte einmal, er wäre nicht ungern Mitglied der FDP; denn als FDP-Verteidigungsminister brauchte er sich dann keine Sorgen mehr um seinen Etat zu machen. Hintergrund dieser scherzhaften Bemerkung ist die von vielen SPD-Ministern beklagte Tatsache, daß ihre FDP-Kollegen im Kabinett meist alles durchsetzen können, sie selber aber nur wenig.

Ganz unrecht scheint, Leber nicht zu haben. So zeigt sich in jüngster Zeit, daß Wirtschaftsminister Hans Friderichs eine immer stärkere Position gewinnt, nicht zuletzt auch dank seines Aufstiegs ins Parteivizeamt. Manche Sozialdemokraten in der Fraktion sehen Friderichs’ härtere Gangart mit Sorge.

Drei Ereignisse fielen auf: Während Helmut Schmidt ein konjunkturpolitisches Umsteuern mit Terminvorstellungen ankündigte, schossen Friderichs und sein Staatssekretär Otto Schlecht sogleich zurück. Friderichs hält ein Konjunkturprogramm für verfrüht. Des Kanzlers Terminvorstellungen kritisierte er – ohne Schmidt zu nennen, indem er erklärte, er beteilige sich nicht an Terminankündigungen.

Wie sehr sich Friderichs ‚einer neuen Stärke bewußt ist, zeigt auch der kürzlich bekanntgewordene Brief an Bildungsminister Helmut Rohde. Friderichs ließ Rohde wissen, der Bildungsminister könne für seine Berufsbildungspläne in der jetzigen Form nicht mit seiner Zustimmung rechnen. Aus dem Wirtschaftsministerium wird in Kürze nun auch eine endgültige Absage an die Vermögensbildung erwartet.

Im Kanzleramt werden die Friderichs-Aktionen allerdings nicht als Zeichen zunehmender Konfrontation interpretiert. Ein Schmidt-Mitarbeiter meinte, die eigentliche Crux sei, daß die Öffentlichkeit Spannungen sehe, wo es keine gebe...

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Die gelegentlichen Soloveranstaltungen des CDU-Wirtschaftsrates – Vorsitzender ist der CDU-Abgeordnete Philipp von Bismarck – sind in der Unionsfraktion auf Unbehagen gestoßen. Streit hat es gegeben, nachdem der Wirtschaftsrat die Modellarbeit der Arbeitsgruppe Vermögensbildung in der CDU-Fraktion mit kritischen Randbemerkungen an die Öffentlichkeit lancierte. Vor dem Hintergrund der Arbeitslosigkeit und der schwierigen Investitionslage in der Wirtschaft wurden die Unionspläne für schädlich gehalten.