Von Rudolf Herlt

Vor Zeiten hieß es, wer gut essen will, kaufe Aktien, wer gut schlafen will, Renten. Beides stimmt längst nicht mehr. Doch heute, hat sich eine neue Variante in den Seelen der Sparer eingenistet: Wer sein Geld zu einer Privatbank trägt, wird um seinen Schlaf gebracht. Der Zusammenbruch bei Herstatt machte es deutlich: Die Einleger sind die Opfer, wenn eine Privatbank zusammenbricht.

Das ist ein unbefriedigender Zustand. Nach dem Herstatt-Zusammenbruch wurden denn auch bei vielen Banken Gelder abgezogen und zu Sparkassen oder Genossenschaftsbanken umdirigiert. Dort wurden sie für sicher gehalten.

In beiden Sparten wurde bis jetzt erfolgreich die Unternehmenssicherung praktiziert. Gefährdete Kreditinstitute wurden über eine Sanierung oder eine Fusion am Leben erhalten, oder sie wurden – wie im Genossenschaftsbereich – in aller Stille abgewickelt.

Diesem Wettbewerbsvorteil hatte das private Bankgewerbe bisher nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen. Es gibt den Feuerwehrfonds, der dafür sorgt, daß Einlagen von Privaten bis zu 20 000 Mark voll ausgezahlt werden, wenn eine Bank die Schalter schließt. Wer mehr auf der Bank hat, hat das Nachsehen.

Vor der Herstatt-Zeit wurde das von den Banken kaum als Mangel empfunden. Die Zahl der Bankpleiten war klein, ihre Bedeutung lokal begrenzt, die Verluste waren gering. Seit dem Fall Herstatt ist alles anders geworden. Das Vertrauen in die Sicherheit der Spargelder hat einen solchen Stoß bekommen, daß sogar der Bundesfinanzminister mobilisiert wurde.

Er hat in seinem Hause einen Entwurf ausarbeiten lassen, der ein Modell zur Einlagensicherung im gesamten Kreditgewerbe zur Diskussion stellt. Sparkassen, Genossenschaftsbanken und private Banken sollen an einem einheitlichen Sicherungssystem teilhaben.