Vorvertrag in Teheran über verstärkte Kooperation mit der Stuttgarter WLZ

Mansour Rouhani, Landwirtschaftsminister Seiner Kaiserlichen Majestät des Schahinschahs von Iran, zelebrierte orientalische Gastfreundschaft: Am Ende eines Vier-Tage-Besuchs seines Bonner Kollegen gab er im Teheraner Interconti-Hotel für Landwirtschaftsminister Josef Ertl und seine Begleitung ein üppiges Essen. Höhepunkt: Der Auftritt der rundum ebenfalls opulenten Bauchtänzerin Asiseh, 23.

Der iranische Agrar-Chef sah Grund, das Beste aus persischen Landen frisch an den Tisch zu bringen. Denn die beiden Gesprächsparteien hatten Anfang vorvergangener Woche nicht nur recht allgemeine "Ansätze zur agrarwirtschaftlichen Kooperation beider Länder" gefunden. Sie konnten auch gleich die Unterzeichnung eines ersten Abkommens über ganz konkrete deutschiranische Agrar-Zusammenarbeit gutheißen.

Berndt Grützner, der Vorstands-Chef der Württembergischen Landwirtschaftlichen Zentralgenossenschaft – Raiffeisen – eGmbH (WLZ), hatte nämlich das landwirtschaftliche Gipfeltreffen in der Hauptstadt des Schahinschahs als passenden Rahmen genutzt, seit längerem schon zwischen Stuttgart und Teheran geführte Gespräche in erste Kontraktform zu bringen: Mit dem iranischen Ministerium für ländliche Genossenschaften unterzeichnete er einen Vorvertrag über künftige Zusammenarbeit zwischen württembergischen und persischen Genossenschaften.

Nach endgültigem Vertragsschluß – wohl Anfang des kommenden Jahres – soll die WLZ-Gruppe (Umsatz 1973: 1,16 Milliarden Mark, 3700 Beschäftigte) mit ihrem Know how persischen Genossenschaften weiterhelfen. Denn seit der Schah 1960 mit seiner Landreform das iranische Genossenschaftswesen dekretierte, entstanden in Persien zwar rund 10 000 Ortsgenossenschaften, die vornehmlich Getreide, Mais und Reis erzeugen. Aber nun sollen zu Brot und Reis auch mehr Beilagen kommen: Der Iran forciert den genossenschaftlichen Gemüse- und Obstanbau, die gemeinsame Milch- und Fleischproduktion.

Trotzdem wird Persien in den nächsten 15 Jahren noch erhebliche Lebensmittelmengen importieren müssen. Deshalb rechnen die WLZ-Genossen auch mit wachsenden Lieferungen aus schwäbischen Landen direkt in den Iran – erste Erfahrungen konnten sie dabei mit Hähnchenfleisch bereits sammeln. Darüber hinaus denken die Raiffeisen-Manager auch an deutsch-iranische Gemeinschaftsunternehmen wie etwa den Bau eines Kraftfutterwerks in Persien.

Vor allem aber hoffen die wackeren Schwaben auf persische Beteiligung an württembergischen Genossenschaftsunternehmen. Zwar erwirtschaftete die WLZ mit Betriebsmitteln für ihre Bauern, mit dem Absatz und der Weiterverarbeitung von Agrarprodukten, dem Verkauf von Haus- und Gartengeräten, Brenn- und Baustoffen, Autos und Wohnwagen noch 1973 erfreulichen Ertrag. Aber inzwischen mag WLZ-Chef Grützner, nicht zuletzt wegen stark gestiegener Zinsaufwendungen, Verlust für 1974 nicht mehr ausschließen: "Wir werden mit den Kosten nicht mehr fertig."