Von Erika Sommer

Immer häufiger stehen junge Eltern von heute der Einschulung ihrer Kinder kritisch gegenüber. Sie wissen um die Bedeutung des ersten Schuljahres, und viele fragen sich besorgt: "Ist mein Kind auch schulreif? Wird es die Schule schaffen? Es ist dauernd krank, ist noch viel zu verspielt, wir wollen ihm noch etwas Kindheit gönnen, der Ernst des Lebens kommt früh genug..."

Andere Eltern hingegen möchten ihr Kind schon mit fünf Jahren als "Antragskind" einschulen: "...der kann schon alles; ich weiß nicht, was ich mit dem, zu Hause anfangen soll, in den Kindergarten will er nicht mehr, die anderen Kinder aus der Nachbarschaft gehen auch alle..."

Wie sollen sich Eltern entscheiden? Was versteht man unter Schulreife? Wer ist für die Feststellung der Schulreife kompetent? Woran können Eltern die Schulreife ihrer Kinder erkennen?

Die Entwicklungspsychologie teilt die Entwicklung des Kindes in körperliche, intellektuelle und seelisch-soziale Reifungsgrade ein. Mit etwa fünf bis sechs Jahren macht das Kind einen bedeutsamen Entwicklungssprung. Die Möglichkeiten des kleinkindhaften Spiels haben sich erschöpft. Die ersten Ansätze operativen Denkens sind entwickelt. Es entstehen natürliche intellektuelle Lernbedürfnisse, die nach Befriedigung drängen. Das Kind sucht nach neuen Ordnungsprinzipien. Es löst sich von der schützenden Obhut der Mutter und verlangt nach der Gemeinschaft Gleichaltriger.

Im körperlichen Bereich treten Veränderungen ein. Der sogenannte Phillippino-Test – das Kind greift mit dem Arm über den eigenen Kopf und muß dann mit den Fingerspitzen den oberen Rand des Ohres erreichen – gilt als Faustregel für körperliche Reife.

Die intellektuelle Reife des Kindes wird deutlich an der allgemeinen Lernbereitschaft und sprachlichen Gewandtheit. Das Kind spielt gern Schule und zeigt Interesse an Zahlen und Buchstaben. Die Grundfarben können benannt werden und ein gewisser Orientierungs- und Beobachtungssinn ist ausgeprägt. Kleine Texte können auswendig gelernt, kleine Geschichten können inhaltlich erfaßt und wiedergegeben werden.