Selbst wenn man meint, genug in Reiseführern gelesen und gestochert zu haben, bleibt man an diesem hängen. Das liegt erstens an seinem ausgefallenen Format: es ist lang und schmal. Das liegt zweitens an der originellen Art seiner Gliederung: nach Orten. Das Thema ist:

"Korsika für Sie" von Jean Hureau, aus dem Französischen von Werner von Grünau; Hieronimi, Bonn; 268 S., 94 Farbphotos, 14 Karten und Routen, 34,80 Mark.

Das ist nicht wenig Geld, und das Geld steckt im Komfort des Buches, und der Komfort ist zumindest bei der Beschäftigung hinderlich, wo man es braucht, auf Reisen, wenn man sich führen lassen will. Denn natürlich ist das ein Reiseführer: mit fast hundert Farbphotos von bisweilen überraschender Schönheit versehen, auf schweres Papier gedruckt, fest gebunden – nicht also zum in-die-Tasche-stecken, sondern zum Studieren zu Hause. Wer den Widerspruch zwischen Format,Gewicht und Anwendung überwindet, wird allerdingseine Menge Freude haben, nicht nur an derEinteilung des Stoffes nach Ortschaften, sondernan vielen Informationen, die auch buchstäblich "am Rande" mitgeteilt werden: über Namen und Emblem der Insel, über Columbus, berühmte Banditen und Blumen, auch Zitate. Selbstverständlich, daß man über jeden Ort so viel wie hier möglich liest, auch daß man mit praktischen Hinweisen versorgt wird auf Sehenswertes, Restaurants, Unterhaltung, Rezepte, Routen.

Freilich erlebt man manches anders als beschrieben. In die Zitadelle von Bonifacio, zum Beispiel, lassen einen die sturen Militärs keineswegs immer ein, auch nicht in die Kirche, und das Photographieren verwehren sie einem drohend schon weit vor dem Tor. Man vermißt auch manchen originellen Ort, Cauro etwa und Olmeto; werden sie woanders erwähnt, findet man sie nur durch Zufall, weil es kein Register gibt – für einen Reiseführer eine schlimme Unterlassung. Damit verglichen, machen manche besonders dumm geratene Bildunterschriften nur Kopfschütteln: "Die alten Bastianer", so liest man auf Seite 78, "finden sich jeden Nachmittag auf der Place Saint-Nicolas ein, um dort in der Sonne zu sitzen und über die Wahlen und Angelegenheiten der Stadt zu diskutieren..." Und das ist einfach gelogen. Manfred Sack