Das Ergebnis der griechischen Parlamentswahlen ist nicht nur ein großer Sieg für Konstantin Karamanlis. In einem Lande, das in seiner jüngeren Geschichte stets zwischen den Extremen des hellenischen Temperaments hin und her schwankte, markiert es zugleich einen Triumph der demokratischen Grundtugend: der Vernunft. Es beweist, daß Völker aus Schaden klug werden können.

Rund 55 Prozent für Karamanlis und seine Neuen Demokraten, 20 Prozent für die Zentrumsunion des Außenministers Mavros – das verbürgt Stabilität. Das schlechte Abschneiden der verschiedenen kommunistischen Gruppierungen (9,2 Prozent), vor allem aber der niedrige Stimmanteil, den Andreas Papandreous Panhellenische Sozialistische Bewegung (13,6 Prozent) erhielt – sie beweisen, daß bloße Rabulistik in Griechenland nicht mehr genügt.

Im Falle Papandreou birgt der Spruch des Volkes ein Stück ausgleichender historischer Gerechtigkeit: Er war 1965/67 der böse Geist, der die Regierung seines greisen Vaters ins Verderben stürzte. Die Machenschaften des jungen Papandreou wurden damals an Ungeschick nur durch die herausfordernden Manipulationen des jungen Königs Konstantin übertroffen. Wenn nicht alles trügt, wird Konstantin bei der Volksabstimmung im Dezember, wo es um die Zukunft der Monarchie geht, die Quittung dafür erhalten. Ein Verlust für die griechische Demokratie wäre die endgültige Abschaffung des vor hundertvierzig Jahren importierten und nie in Hellas heimisch gewordenen Königtums nicht.

Einst war Karamanlis ein autoritärer Rechter. Dann überwarf er sich mit der Krone und ging stolz ins Exil. Von dort kehrte er nach dem Kollaps des Obristen-Regimes zurück: ein geläuterten Politiker zu einem geläuterten Volk. Das freie Europa muß den Hellenen Glück wünschen. Th. S.