Von Dirk Beckerhoff

Von allen guten Geistern sind die Liberalen und die Linken denn doch noch nicht verlassen. Während sie in den Ländern und Kommunen eine Schlappe nach der anderen hinnehmen müssen, verfügen sie an den Universitäten immerhin – noch? – über eine respektable Schar von Sympathisanten:

Etwa jeder dritte Hochschullehrer (36 Prozent) steht politisch der SPD nahe, und jeder vierte (24 Prozent) fühlt sich zur FDP hingezogen. Zwei von drei Wissenschaftlern (60 Prozent) tendieren mithin zum sozial-liberalen Lager, während nur bei einem von vieren (24 Prozent) das Herz für die CDU/CSU schlägt. Diese Präferenz für die Unionsparteien hegen vor allem ältere, an politischen Fragen nur mäßig interessierte Hochschullehrer, während bei den jungen und politisch stark engagierten das Schwergewicht eindeutig bei der SPD liegt. Nur etwa jeder zehnte Wissenschaftler fühlt sich durch keine der drei großen Parteien repräsentiert, und sieben Prozent wissen nicht, was sie wollen – sie machen keine Angaben.

Danach, wie sie es mit der Politik halten, und nach vielem anderen befragte das Münchener Meinungsforschungsinstitut Infratest im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft im Sommersemester 1974 eine repräsentative Gruppe von rund 1900 Hochschullehrern an 60 Hochschulen in der Bundesrepublik. Das Ergebnis: Weder die permanente Hochschulmisere noch die Studentenunruhen der Jahre 1967/68 noch auch die gegenwärtig anwachsende Studentenlawine haben die Attraktivität des Hochschullehrerberufs beeinträchtigt.

Die Auskünfte, die Infratest erhalten hat, entbehren größerer Dramatik. Sie vermitteln insgesamt einen Eindruck, der einem breit und ruhig dahinfließenden Strom weit mehr entspricht als einem von rauhen Winden und plötzlichen Untiefen aufgewühlten Gewässer. Man fühlt sich an der Hochschule ziemlich wohl, die Arbeits- und Einkommensbedingungen sind recht zufriedenstellend, Abwanderungspläne in den sonstigen öffentlichen Dienst oder gar in die freie Wirtschaft haben nur ganz wenige. Kurz: Eine Krise gibt es nicht.

Der Auftrag an Infratest lautete, Vertreter aller Hochschullehrer-Gruppen zu befragen, also aller derjenigen, die eine Lehrtätigkeit an einer Hochschule ausüben. Dies ergibt ein weites Spektrum, das vom ordentlichen Professor bis zum wissenschaftlichen Angestellten reicht. Da bei bestimmten Fragen gerade die Unterschiede innerhalb der Hochschullehrerschaft interessieren, bildeten die Infratest-Befrager eine Reihe von Untergruppen.

Die in durchschnittlich mehr als einstündigen Interviews zu über 80 Einzelfragen zusammengetragenen Antworten stellen die bisher umfangreichste Untersuchung dieser Art über die deutsche Hochschullehrerschaft dar. Die wichtigsten Ergebnisse im einzelnen lauten: