Von Heinz Josef Herbort

Jean-Claude ist ein Cadre – ein leitender Angestellter aus Lyon, verheiratet, zwei Kinder. Zu seinem "sozialen Besitzstand" zählt inzwischen ein Urlaubsanspruch von über fünf Wochen.

Anfangs fuhr Jean-Claude lediglich im Sommer mit seiner Familie hinaus, in die Pyrenäen, in die Vogesen, nach Arcachon oder ans Mittelmeer bei Montpellier. Seit einigen Jahren aber ist Jean-Claude, auf Lebensqualität bedacht, zu einer geschickteren Aufteilung der Urlaubszeit gekommen: Er machte drei Wochen Ferien im Sommer, zweimal eine Woche im Winter; wobei seine Familie die Winterwochen jeweils um eine weitere verlängert und er zum Wochenende hinüberfährt.

Jean-Claude hatte Glück. Etwa um die gleiche Zeit, da er die Vorteile des "étaler son congé" entdeckte, begann die französische Regierung in großem Stil ein Programm zu verwirklichen, das eine Kette von Wintersportzentren gewissermaßen auf dem Reißbrett entwarf, um damit jene Möglichkeiten für Leistungs- und Breitensport zu schaffen, die, vielleicht, der Grande Nation nicht nur wieder einen etwas höheren Platz in den Ranglisten der Ski-Asse bescherten, sondern auch eine stärkere sportliche Betätigung gewissermaßen an der Basis.

Einer dieser Orte – die Franzosen sind präziser und nennen die Retorten-Siedlung "Station" liegt rund 70 Kilometer südöstlich von Grenoble, ist noch auf kaum einer Landkarte verzeichnet und heißt schlicht und der Wahrheit entsprechend "Les 2 Alpes". Womit klar umrissen ist, worum es sich in diesem Gelände handelt: zwei Gebirgszüge (bis 3200 Meter) auf den beiden Flanken eines Hochplateaus (1650 Meter hoch) zwischen den Tälern des Vénéon und der Romanche.

Als hier um 1950 ein erstes Chalet-artiges Hotel und ein Téléski (Schlepplift) etwas abzuwerfen schienen, auch ein zweites und ein drittes reüssierten, investierten die gar nicht so dummen Dauphiné-Bauern ihre Verdienste gleich wieder in neue Anlagen, und prompt setzte auch hier der moderne Goldgräber-Boom ein: Achtzig Milliarden (alte) Franc, also etwa 440 Millionen Mark hat es inzwischen gekostet, den jetzigen Ausbau-Stand zu erreichen. Der Staat machte es möglich: 70 Prozent der Baugelder lieferte er zu günstigsten Kreditbedingungen.

Der jetzige Stand: Neben all den notwendigen Dienstleistungs- und Handelshäusern 46 Hotels mit rund 3100 Betten (eine schnelle Überschlagsrechnung besagt: keine allzu großen Häuser, etwa 70 Betten im Durchschnitt), dazu etwa 1300 Appartements, Studios, Chalets, ein paar Jugendhäuser – das ergibt eine Kapazität für elf- bis zwölftausend Gäste ("Kundschaft", sagt der Direktor des lokalen Office du Tourisme, und das ist offen, aber ehrlich).