Als Triumph für die Sache der Palästinenser wertet die arabische Öffentlichkeit die Rede Yassir Arafats, Chef der Palästinensischen Befreiungsfront PLO, vor den Vereinten Nationen. Israel dagegen sieht sich in seiner Weigerung bestätigt, nicht mit der PLO zu verhandeln.

Arafat hat mit seiner Vision des "Palästina von morgen" zwar ein gleichberechtigtes Zusammenleben von Moslems, Juden und Christen vor Augen gestellt, dem Staat Israel aber seine Existenzberechtigung bestritten. Er sprach lediglich davon, daß Palästina Platz habe für "alle jetzt in Palästina lebenden Juden, die mit uns in Frieden und ohne Diskriminierung leben wollen".

Um Sympathie warb er mit der Wendung: "Die palästinensische Revolution betrachtet die Juden unter keinen wie auch immer gearteten Umständen als Feinde", zugleich aber meinte er: "Ich bin ein Rebell, und Freiheit ist mein Anliegen." Er trage "einen Olivenzweig und die Waffe des Freiheitskämpfers", rief er dem Plenum zu. "Sorgt dafür, daß mir der Olivenzweig nicht aus der Hand fällt." Arafats Nahziele sind:

  • Selbstbestimmung für das palästinensische Volk;
  • Recht der Palästinenser auf Rückkehr in ihre Heimat;
  • Errichtung einer palästinensischen "nationalen Autorität" in dem von israelischer Besetzung befreiten Gebiet.

Die Mehrheit der Vollversammlung bereitete Arafat nach der eineinhalbstündigen Rede eine Ovation. Der PLO-Chef wurde vom UN-Protokoll wie ein Regierungschef empfangen, obwohl er keinen Staat vertritt. Der Glaspalast am East River glich einer belagerten Festung, so groß war das Polizeiaufgebot, einschließlich der Scharfschützen auf den Dächern der umliegenden Häuser.

Wie stark sich das Klima in den Vereinten Nationen zuungunsten Israels verändert hat, zeigte auch der Beschluß, daß jeder Staat in der Palästina-Debatte nur eine Erklärung abgeben dürfe. Diese Entschließung (mit 75 : 23 Stimmen bei 18 Enthaltungen) hinderte den israelischen Delegationsleiter Tekoah, auf jede Anklage zu antworten.