Wenn eine solche Ordnung im Bewußtsein der Menschen verankert ist und niemand versucht, sie darin zu lockern, wenn ihre Vertreter in Parteien, Parlamenten und in der Dritten Gewalt sie einmütig verteidigen, dann sollten vierzig eingesperrte Terroristen und ihre Sympathisanten draußen sie zerstören können? Dem Rechtsstaat droht, so ist zu fürchten, weniger Gefahr von seinen erklärten Feinden als vielmehr von seinen verbalen Verfechtern, die bereit sind, ihn ob der vermeintlichen Bedrohung mal eben ein Stückchen hintanzustellen.

Prinzipien lassen sich immer gut heiligen, solange es nicht notwendig ist, sie anzuwenden. Bewähren können sie sich nur im Konflikt. Was der Glaubensschwur ihrer Anhänger wirklich wert ist, zeigt sich erst im Ernstfall äußerster Anfechtung. Wir haben sie in diesen Tagen einmal mehr erlebt. Wehe dem Rechtsstaat, wenn er sich vor Baader, Meinhof und ihren Nachfolgern nur als "juristisches Beiwerk" erweisen sollte.